Leseprobe:
[...]Muttern mußte sich vom Familienvorstand die Mahnung anhören, dass wir schon zwei Hunde hätten, die an diesem Nachmittag daheim bleiben mußten, und ein dritter käme nicht ins Haus. Und dann gings los. Als wir uns dem Tierheim näherten, erkannten wir, daß wir nicht die einzigen waren, die dem Aufruf zum Osterspaziergang an diesem sonnigen Feiertag gefolgt waren. Immer wieder kamen uns Leute entgegen mit einem oder zwei Hunden an der Leine.
Auch im Tierheim herrschte reger Betrieb, denn es wurde Kaffee und Kuchen, Bier und eine Brotzeit an die müden Wanderer verkauft, die mit ihren Tieren schon zurückgekommen waren. Uns zog es aber zuerst zu den Hunden, und Mutter durfte sich einen aussuchen, zum Spazierengehen! Wie sich schnell herausstellte, hatte ich auf Anhieb ein Sorgenkind gewählt: Anka, eine kleine, etwa acht Jahre alte Schäfer-Mischlingshündin, schwarz mit braun, die fortwährend im Kreis lief: eine ausgediente Kettenhündin.
Da wir insgesamt sechs Personen waren, durften sich die Kinder noch einen passenden Begleiter mitnehmen. Als wir nach etwa einer Stunde zurückkamen und vom neuen Tierheimleiter, Herrn N., erfuhren, dass einige Hunde gar nicht fort waren, beschlossen wir spontan, eine zweite Runde zu drehen, mit einem neuen Begleiter für Anka. Schließlich waren wir fast die letzten Besucher, die das Tierheimgelände verließen, denn ich hatte noch so viele Fragen an die Tierpfleger: über den Tierheimbetrieb und die Tiere im allgemeinen und über Anka im besonderen.
Was mich sehr erstaunte, war, dass zu den normalen Öffnungszeiten Spaziergänger sehr erwünscht waren und dass mehrere Personen - junge und auch ältere - mehr oder minder regelmäßig kamen, um mit einem Hund Gassi zu gehen. Auch Radfahrer und Jogger waren gern gesehen, denn mit ihnen konnten sich lauffreudige Hunde wenigstens ab und zu so richtig austoben.
Ich erfuhr auch, dass man eine Patenschaft für ein Tier - vor allem für ein älteres mit wenig Chancen auf Vermittlung - übernehmen kann, das heißt, man trägt die Futter- und Arztkosten, besucht sein Patentier möglichst regelmäßig, übernimmt die Fellpflege und geht mit dem Hund natürlich auch spazieren. [...]
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