So lernt der Hund
Wenn Sie mit Ihrem Hund konzentriert arbeiten und dabei Ihrer Nachbarin begegnen, dem Bürgermeister oder dem Dr. XY, dann achten Sie nur auf Ihren Hund. Sonst glaubt ihr Hund, dass er für die Ausführung der Übung Liebesentzug bekommt. Er macht die letzte Übung das nächste mal garantiert nicht mehr. Denn plötzlicher Abbruch und Nichtbeachtung des Hundes ist ein Vertragsbruch. Immerhin haben Sie mit ihm einen Pakt geschlossen, ihm ein Versprechen gegeben. Für richtig ausgeführte Übungen gibt es immer Leckerlis = Belohnung, Anerkennung und Lob.
Aus diesem Grund gehört die Übung korrekt beendet und dann die Belohnung gegeben. Das heißt, Sie erstellen für ihn eine Motivations-Futterstraße, bestehend aus vielen kleinen Leckerbissen. So verhalten Sie sich höflich und es zeigt ihm, dass die Übung abgeschlossen ist. Hören Sie dann mit dem Üben auf, wenn er Ihnen sein Bestmögliches gezeigt hat. Besser als gut geht nicht.
Das Hirn des Hundes speichert das, was er zuletzt gemacht hat ab, und das zeigt er mir als Erstes wieder.
Immer wenn Sie beobachten, dass der Hund etwas macht, was Ihnen gefällt, belohnen Sie ihn. Jeder Schritt wird belohnt. Langes Schimpfen kann der Hund nicht verstehen, es verwirrt ihn nur und bringt keinen Lernerfolg.
Korrekturen
Bestrafungen sollten nur angewendet werden, wenn keine negativen Folgen für Ihren Liebling zu befürchten sind. Wenn bestraft werden muss, dann gleich unmittelbar nach der Verfehlung. Nur direkte Zusammenhänge können gelernt werden. Nie sollten Sie den Hund so strafen, dass er Angst vor Ihnen bekommt. Denn dadurch produziert er Stresshormone und in diesem Zustand ist der Hund nur beschränkt aufnahmefähig. Die maximale Zeitspanne zwischen der Aktion des Hundes und dem darauf folgenden Lob oder Tadel beträgt 2-3 Sekunden! Es ist zu befürchten, dass der Hund jede Reaktion, die erst nach dieser Zeitspanne erfolgt, falsch einordnet.
Bestrafen Sie spätestens 2-3 Sekunden nach der Aktion!
Absoluter Unsinn ist die oft erlebte Praxis, den Hund 30 Minuten nach seiner "Tat" zu bestrafen (z.B. beim Welpen das "Malheur" in der Zimmerecke). Solche Strafen verwirren den Hund, oder - noch schlimmer - er glaubt, er werde für seine letzte Aktion bestraft. Sie können nur über Korrekturbefehle und über Korrekturmaßnahmen arbeiten, die unmittelbar nach der Tat erfolgen. Denn eine halbherzige Strafe, die für den Hund keine Folgen hat, würde ihn nicht daran hindern, sein Ziel weiterzuverfolgen.
Zum Beispiel Jagen
Es ist etwas im Hund, das ihn dazu treibt, gewisse Dinge zu tun, weil er glaubt, etwas davon zu haben. Der Hund ist nicht schlimm oder ungehorsam geboren, er verfolgt nur ein bestimmtes Ziel. Der Besitzer kann dem Tier jetzt zwei verschiedene Möglichkeiten zeigen. Einerseits eine bessere Alternative: "Du kommst besser zu deinem Ziel, wenn du dich so und so verhältst", oder andererseits: "Dieser Weg zum Ziel ist mit Hindernissen verbunden". Wie umgeht er dann das Hindernis, seinen Besitzer? Er vermehrt die Entfernung zum Besitzer, denn die Strafe hat mit dem Besitzer zu tun. Also, Entfernung vergrößern und er kommt trotzdem zu seinem Ziel. Ich erreiche im Prinzip genau das Gegenteil von dem, was ich haben will. Der Hund lernt nur, wie er geschickt die Strafe umgehen kann, aber er lernt nicht, sich ein neues Verhalten anzugewöhnen. Das lernt er nur, wenn ich sage: "Du kommst besser zu deinem Ziel", zu welchem auch immer (Sozialkontakt, Futter, Gesundheit), "wenn du dich an mich hältst."
Lob oder Belohnung
- kleinste Leckerbissen geben (ist für den Hund wie Geld),
- Spielen als Lernmotivation,
- Streicheln, Zuwendung verstärken,
- im schattigen Platz mit ihm arbeiten,
- Futter oder Wasser geben,
- Schnüffeln lassen,
- Kontakt zu anderen Hunden ermöglichen.
Korrekturmaßnahmen
- Korrekturworte wie "Pfui" oder "no". Diese müssen dem Hund vorher antrainiert werden, wie beispielsweise das Wort "nein". Allerdings ist es besser ein Wort zu verwenden, das im deutschen Sprachgebrauch nicht verwendet wird - wie z.B. das englische Wort "no".
- Ignorieren (Spielabbruch) ist Entziehen des Sozialkontaktes.
- Entzug von etwas Tollem, z.B. ein Leckerli zeigen, aber nicht geben.
- Mit eigener Körpersprache arbeiten.
- Verhalten abstellen durch tauschen, z.B.: "Du gibst mir mein Kleidungsstück zurück, dafür bekommst du ein Leckerli." Diese Technik gehört antrainiert und kann bei einem kompetenten Hundetrainer erlernt werden. Es gibt auch Vorträge und Seminare von Verhaltenstrainern.
Anonym bestrafen
- Wenn kein zweiter Hund in der Nähe ist, eigenen sich laute Geräusche wie Rasselbüchse, Kette, Schlüssel, Zeitung, usw.
- Den Hund mit einer Wasserpistole anspritzen.
- Im äußersten Fall können Sie auch den Schnauzengriff anwenden, aber nur, wenn Sie über die Rangordnung genau Bescheid wissen. Das zeigt ihm, dass Sie der Dominante sind. Von oben herab ergreifen Sie seine Schnauze und drücken diese hinunter.
Klaps mit der Zeitung: ja oder nein?
Zum Erschrecken des Hundes kann die Zeitung manchmal hervorragende Dienste leisten. Jedoch darf der Hund gewisse Strafmaßnahmen nicht mit dem Besitzer in Verbindung bringen. Es gibt da eine veraltete Methode mit der Zeitung - dem Hund mit der Zeitung einen Klaps zu geben.
Körperliche Strafe sollte jedoch mit dem Besitzer nicht verbunden werden, wie es beispielsweise durch die Zeitung geschieht. Im schlimmsten Fall, wenn es ein unsicherer, aggressiver Hund ist, erschaffe ich mir einen Hund, der in die Zeitung oder meine Hand beißt. Abgesehen davon ist körperliche Bestrafung generell abzulehnen. Der Hund lernt nur, dass sein Besitzer unberechenbar ist. Er kann einfach nicht einordnen, warum er bestraft wird. Vorher muss er eine Warnung bekommen.[...]
[...]Eine Mensch-Tier-Beziehung kann eine Fülle von lustigen Erlebnissen beinhalten. Ich erlebe es immer wieder mit meinen Hunden. Überall, wo Menschen allzu menschliche Schwächen haben, gibt es andere, die sie mithilfe kleiner Schwindeleien auszunutzen verstehen. Erstaunlicherweise konnte ich dies bei meiner Malteserhündin Flink beobachten.
Meine Flink war schon immer, neben ihren hervorragenden Eigenschaften, ein besonders gewitztes Tier. Ihr größte Schwäche aber war ihr grenzenlos großer Futterneid. Da sie aber leider schon sehr zur Fülle neigte und ich vermeiden wollte, dass sie ihre Gesundheit einbüßt, bekam sie beim Fressen einfach weniger als die anderen Hunde. Dies nahm Flink mir offensichtlich besonders übel. Wenn sie glaubte, wieder einmal zu kurz gekommen zu sein, dann bellte sie mich wütend an. Ich hatte für meine drei verfressensten Hunde vom Einkaufen gerade wieder einmal drei Kauknochen als Zuckerl mitgebracht. Damit es ja keinen Streit gibt, gab ich allen Dreien den Knochen ins Maul. Flink war aber damit anscheinend nicht einverstanden und mit ihrem Knochen im Maul schien sie zu überlegen wie sie auch an die anderen zwei Leckerbissen herankommen könne.
Plötzlich, wie von Furien gehetzt, stürmte sie laut bellend zum Gartenzaun, als gäbe es dort etwas sehr Aufregendes zu sehen. Mit dem Gebell zog sie die Aufmerksamkeit der beiden anderen auf sich. Diese ließen ihre Knochen fallen und hetzten mit wildem Gebell hinter Flink her zum Gartenzaun. Dahinter war aber so gut wie nichts zu sehen. Noch ehe aber die beiden bemerkten, dass sie nur hereingelegt worden waren, hatte Flink nichts Besseres zu tun, als so schnell wie möglich zurückzulaufen, die zwei liegen gebliebenen Knochen ins Maul zu nehmen und schleunigst zu verschwinden. Daher auch der Name Flink.Nun hatte sie alle drei Knochen, sie war zufrieden und in ihren Augen stand der Satz: "Ehrlich teilen - aber das meiste für mich! Basta."
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