Hundegeschichten - Krümel
Krümelflug Frankfurt / Bangkok
Hi Leute, Wau Kumpels
Am 5. Januar 2009 konnte ich eine weitere Qualifikation in meinen Lebenslauf einbinden:
Geprüfter Flugbegleithund, oder in englisch: qualified international flying dog. Diese
ufgabe ist äußerst kompliziert und ich behaupte mal an dieser Stelle, sicher nicht von
jedem normalen Straßenköter zu bewältigen.
Eine der Hauptvoraussetzungen für diese Tätigkeit ist ein Höchstmaß an Konzentration auf:
Taktik 1: Beim Kofferpacken. Mit einem Hechtsprung in den halbgefüllten Koffer erinnere
ich meine Halterin daran, mein Zeugs einzupacken. Hundefutter und Spielsachen im Gepäck
sind Garant für meine persönliche Reiseteilnahme. Taktik 2 bei Abreise: Immer schön vor
die Füße laufen – bei ihrer Schusseligkeit vergisst sie mich sonst noch in der Wohnung.
Am Flughafenterminal wimmelt es nur so von Menschen – viel zu interessant um auf –„geh
in dein Körbchen“- zu reagieren. Entnervte Schweißhände befördern mich rücksichtslos in
die Hundetasche, geschlossener Reißverschluss am Fluchtweg signalisiert: Kein Entkommen.
Sie hievt den Koffer am Schalter auf eine Waage, der verschwindet langsam hinter einer
Plastikwand. Dann stellt sie MICH mitsamt der Tasche auf die Waage. Mein Herz klopft gaaaanz
oben im Hals – werfe flehenden Blick auf meine Allerliebste: Du wirst mich doch nicht
auch….hinter Plastikwand verschwinden lassen? Sie schaut mich an und stöhnt:“ Krümel, du bist
als Übergepäck ganz schön teuer, dafür könnte ich mir in Thailand 10 neue Hunde kaufen! Hättest
ruhig ein bisserl abspecken können.“ Puh, dann darf ich wieder raus aus der Tasche, nochmal
Glück gehabt. 10 neue Hunde? Mag sein, aber keinen Krümel!
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| Krümelflug Frankfurt / Bangkok |
Wenig später sitzen wir tatsächlich im Bauch eines großen weißen Vogels. Frauchen gemütlich
oben in einem Sessel , ich zu ihren Füßen in der Tasche. Bin sowieso müde. Schon fast in meiner
Tasche eingeschlafen, fängt der Boden an zu vibrieren, begleitet von einem dröhnenden Donnern.
Dann fahren wir plötzlich auf Rädern! Ha, siehst du Frauchen, von wegen fliegen – das Ding fährt
ganz normal auf Rädern, da hätten wir auch das Auto nehmen können und unser Koffer mit meinem
Futter wäre auch nicht weg! Das Dröhnen wird immer lauter bis ich plötzlich denke, mir rutscht
der Magen durch den Taschenboden. Wir heben tatsächlich ab und fliegen. Hui ist das ein
Scheißgefühl. Meine Ohren gehen zu, höre nix mehr, schließe nun auch noch meine Äuglein und
verabschiede mich von dieser Welt. Werde von lieblichen Aromen geweckt, Hühnchen mit Reis,
Schokopudding und Käsehäppchen. Wage ein Auge zu öffnen und erblicke Frauchen, in der Welt
über mir genüsslich tafelnd. Hier in der Unterwelt kommt nichts an, sitze auf dem Trockenen.
Ihr Gesäusel: “Krümelchen, diesmal kann ich Dir nichts abgeben, sonst fängst Du noch an zu
kotzen“, könnte sie sich sparen. Wozu soll essen noch gut sein, gefangen im Verdauungstrakt eines
Riesenvogels? Die Alte hat Nerven! Wenn ich das hier je überleben sollte, werde ich wohl mal
wieder im Internet surfen müssen!
Das Dröhnen macht müde, gleite schläfrig hinüber auf eine grüne Wiese, springe frei herum und
jage Hasen und Rehen hinterher. Plötzlich verdeckt ein Schatten die Sonne, ich schaue hinauf
und sehe einen riesigen, weißen Vogel direkt über mir. Sein weit aufgerissener Schnabel kommt
auf mich zu, ich renne um mein Leben. Zu spät, eine glitschig-eklige Zunge schmatzt nach mir
und ich klebe fest. Das Untier schließt den Schnabel, um mich herum wird alles dunkel. Ich
purzele durch Zeit und Raum. Warm und weich ist es im Inneren und es riecht nach - Kaffee?
Ich trete gegen schwabbelige Gedärme, belle verzweifelt, aber niemand hört mich. Dumpf ertönt
eine Lautsprecheransage: „Please fasten your seatbelts , we are landing.” Als ich endlich die
Augen öffnen kann, ist es hell und ich sehe Frauchen gerade den Kaffeebecher abgeben. OK, nur
ein Traum, reiß dich zusammen, Krümel. Jetzt fängt mein Magen an zu hopsen, hoch und runter,
vor und wieder zurück. Mir ist ja sooo schlecht. Frauchen über mir lächelt ganz cool, alles
nicht so schlimm. Aber warum verkrampfen sich ihre Finger um die Armlehnen? Rumpel, ratter
und wir fahren wieder auf den Rädern. Der Vogel ist tatsächlich gelandet und wir verlassen
seinen Bauch. Raus, raus aus Tasche, meine Pfoten berühren heiligen Boden, gehe in die Knie
und küsse denselben. Kann meine neu gewonnene Freiheit kaum fassen, mache Freudentänze und
bepinkele meinen allerersten Mülleimer in Thailand, aaaahhhhh endlich!
Für heute soll es das mal gewesen sein, muss die ganzen Eindrücke erst mal in meinem Chip
abspeichern. Aber beim nächsten Mal könnt Ihr lesen, wie anders alles hier in Thailand ist.
Liebe Grüsse Euer gestresster Krümel
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