Hunde-News vom 01.07.2005
Hundebesitzer sollen Straßenkot entfernen
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   Hundebesitzer sollen Straßenkot entfernen
In der sozioland-Studie rund um das Thema Haustiere, haben über 4700 Personen teilgenommen.
Quelle: Sozioland
01.07.05


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Das berühmteste Haustier ist wohl Daisy, der mit rosaroten Schleifchen verzierte Yorkshire Terrier des inzwischen ermordeten Modezaren Rudolph Moshammer. Das zarte Hündchen wurde von seinem „Daddy“ mit überschwänglicher Zuneigung überschüttet und medienwirksam vermarktet. Vermutlich hätte Daisy gar Mosis Millionen geerbt, wenn nach Bürgerlichem Recht auch Tiere ein Erbe antreten könnten. Tiere sind, betrachtet man diesen Extremfall, immer mehr darauf abonniert, als eine Art Projektionsfläche die unerfüllten Sehnsüchte und Ansprüche der Menschen zu erfüllen. Doch scheinen auch sie am Rande des Nervenzusammenbruchs: Tierpsychologie und „Tier-Flüsterer“ boomen und im Fernsehen laufen Doku-Soaps wie „Eine Couch für alle Felle“. Tiere fungieren nichtsdestotrotz auch als Co-Therapeuten: Forschungsergebnisse zeigen nämlich, dass Haustiere als Gefährten der Menschen wichtige Funktionen übernehmen können: Tiere fördern die soziale und emotionale Entwicklung von Kindern, spenden Trost, locken Fähigkeiten und Gefühle hervor, die bislang verschüttet waren. Sie helfen gegen Vereinsamung, unterstützen die Gesundheit ihrer Besitzer und können so das Leben alter Menschen verlängern.

In unserer individualisierten Gesellschaft jedenfalls ist die Beliebtheit der Haustiere scheinbar ungebrochen. Grund genug für sozioland, in einer Online-Befragung nachzuhaken. Fast 4000 Frauen und Männer wurden zu verschiedenen Aspekten rund um das Haustier befragt. Welches ist das be-liebteste Tier? Alles funktional? Aus welchem Grund legen sich Menschen Haustiere zu? Wer ist für den Hundekot in den Straßen zuständig? Sind zeremonielle Beerdigungen von Haustieren übertrie-ben? Was halten Haustierbesitzer von Tierschauen? Sollte es außer einer Hunde- auch eine Katzensteuer geben?

Befragte bieten viel Heim für Tiere
Knapp 22% der BefragungsteilnehmerInnen, geschlechterübergreifend und über alle Altersklassen hinweg, haben mindestens ein Haustier. Bei Befragten über 40 Jahre ist dieser Anteil sogar etwas größer. Fast 20% aller Befragten haben zwei Haustiere. Und knapp 24% besitzen sogar mehr als 5 der kleinen Freunde. 5% haben keine Haustiere, wollen sich aber eines oder mehrere zulegen.

Hund das beliebteste Haustier
Welches ist nun das beliebteste Tier? Da sind sich Männer und Frauen einig: Es ist der Hund: Fast 56% der Befragten besitzen einen. An zweiter Stelle liegen Nagetiere und Kleinsäuger: Über 43% haben sich für sie entschieden, insbesondere beliebt sind Kaninchen und Meerschweinchen und zu einem geringeren Anteil Hamster. Fast ebenso beliebt ist die Katze: Für den kleinen Haustiger können sich immerhin noch 39% der Befragten erwärmen. 18% haben Fische, meist Süßwasserfische, und etwas über 16% besitzen Vögel. Weniger häufig gehalten werden Pferde (9%) und Terrarientiere (5%). Die beliebtesten Terrarientiere sind übrigens Schlangen, Schildkröten und Geckos.

Hunde im Alter, Nager in der Jugend
Auf die Entscheidung, welches Tier gehalten wird hat das Alter einen klaren Einfluss: Je älter, desto höher die Wahrscheinlichkeit, einen Hund zu haben. Sogar 70% der Befragten über 40 Jahre haben einen solchen Vierbeiner, jedoch nur 48% unter 18. Bei Katzen geht der Effekt in die gleiche Richtung, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt, bei Nagetieren und Kleinsäugern hingegen geht er genau in die andere Richtung: Für diese erwärmen können sich eher jüngere Befragte (58% unter 18jährige, aber nur 22% über 40jährige), und eher Frauen als Männer. Auch Pferde werden weitaus häufiger von Tierliebhabern unter 18 Jahren gehalten.

Haustiere aus Liebe zum Tier
Sozioland hat gefragt: Aus welchem Grund haben Sie sich ein Haustier zugelegt? Begeisterung und Zuneigung scheinen ausschlaggebend: Fast 96% der Befragten geben an, sich aus Liebe zum Tier ein Haustier angeschafft zu haben. Durch ihr Herz für Tiere erweichen lassen haben sich knapp ein Drittel: Mit 33% die zweithäufigste Nennung ist die Rettung des Tieres. Genannt werden mit jeweils 9% auch Einsamkeit und Neugierde. Weitere, eher nutzenorientierte, rationale Überlegungen wie Langweile, praktischer Nutzen, Kind-Ersatz, Dekoration oder Freunde/Bekannte finden erstaunlicher-weise kaum Zustimmung. Und dies gilt durchweg für Alt und Jung: Es finden sich nämlich nur schwa-che Altersunterschiede.

Hauptbezugsquelle Privat
Die meisten der Befragten, nämlich 45%, bekamen ihr Tier von einer Privatperson. 37% haben es in einer Tierhandlung erworben. Über 33% gingen dafür zum Züchter und 27% haben ihren kleinen Freund aus dem Tierheim geholt. Sich erweichen lassen haben auch die 12%, denen das Tier entweder zugelaufen ist oder die es gefunden haben. Und 14,3% haben ihr Tier geschenkt bekommen. Auch das Internet wird zur Tiervermarktung zunehmend wichtiger: 7% kamen auf diese Weise zu ihrem Tier.

Tierschutzverein steht niedrig im Kurs
Wie sieht es eigentlich aus mit dem Engagement unserer Befragten? Sei es auch nur in Form einer finanziellen Unterstützung: Wie viele der Tierliebhaber sind Mitglied in einem Tierschutzverein? Nur 21% der Frauen und 17% der Männer bejahen dies. Das Alter scheint darauf einen Einfluss zu haben: Die Mitglieder gehören meist der älteren Generation an. Nur 13% der Mitglieder sind jünger als 18, aber 32% sind älter als 40. Je älter man ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Mitgliedschaft. 76% der Frauen und knapp 83% der männlichen Befragten hingegen sind keine Mitglieder in einem Verein.

Haustiere haben Bewegungsfreiheit
Wie steht es eigentlich mit artgerechter Haltung und Freiheit, die den Tieren gewährt wird? Dürfen die kleinen Piepmätze auch mal frei herumfliegen? Bei nur 7% der Vogelbesitzer vegetieren sie im Käfig dahin: Sie dürfen überhaupt nicht herumfliegen. 91% der Besitzer hingegen erlauben den Freiflug. Wie steht es mir dem Auslauf von Katzen, die gerne mal im Garten herumschleichen und ihren Raubtierinstinkten frönen? Ist Ihr Stubentiger eine reine Wohnungskatze? haben wir daher gefragt. Bei nur 21% der Befragten darf der kleine Tiger nur in der Wohnung herumstreunen. Knapp 26% lassen ihn auch mal in den gesicherten Garten oder auf den Balkon. Und bei über 53% hat er unbegrenzten Auslauf.

Leine nur für Hund artgerecht
In Tiergeschäften werden neben Hundeleinen auch Leinen für Katzen, Kaninchen etc. angeboten. Was halten die Teilnehmer davon, auch kleinere Tiere an der Leine zu führen? 66% der befragten Tierliebhaber sind der Meinung, dass dies nicht artgerecht sei. Nur 25% sind Leinenbefürworter, da so Kaninchen und Co. auch mal „Gassi“ gehen können.

Tier im Haus bedeutet wenig Verzicht
Auf die Frage, inwieweit sich die TierbesitzerInnen in Ihrem alltäglichen Leben für Ihr Haustier ein-schränken müssen, antworteten 59% dass sie für ihr Tier auf nichts verzichten müssten. Allerdings gestehen 23% ein, weniger Geld im Monat zur Verfügung zu haben. Und 14% ist durch ihr Haustier die Möglichkeit zur Spontaneität genommen. Auf den Urlaub verzichten für ihr Haustier müssen nur 11 Prozent der Befragten. Lediglich 2% geben an, keine Parties feiern zu können und weitere 2% bekommen seltener Besuch.

Tiere dürfen zu Hause bleiben
Was machen Sie mit ihrem Tier, wenn Sie in Urlaub fahren? wollte sozioland wissen. 51% der urlaubswilligen Tierfreunde lassen ihre kleinen Lieblinge zu Hause von Bekannten/Verwandten versorgen. Über 41% nehmen ihr Haustier mit. 34% aller Befragten bringen ihr Tier bei Bekannten/Verwandten unter. 12% fahren gar nicht in Urlaub und 5% geben es in eine Tierpension. Kleine Lieblinge werden verwöhnt
Tiernahrung und –zubehör wird vorwiegend im klassischen Zoofachgeschäft, Discounter oder Drogeriemarkt erworben. Wir wissen zwar, wenn es um Nahrung geht: Katzen würden Whiskas kaufen. Doch welchen Luxus neben den üblichen Grundbedürfnissen gönnen die TierhalterInnen ihren kleinen Lieblingen? Sehr häufig spezielles Spielzeug (62%), betrachtet man die Zahlen von sozioland. Frauen sind da übrigens großzügiger als Männer. Auch mit bestimmten Pflegeprodukten (35%) werden Tiere häufig verwöhnt. Fast 8% stehen auf Sicherheit und sorgen vor: Sie haben gar eine

Mehr Infos «
Tierkrankenversicherung.

Tierisches Interesse an Tiersendungen
Die meisten Tierliebhaber haben auch ein tierisches Interesse an audiovisuellem Input, ergeben die Zahlen von sozioland. Nur 3% der BefragungsteilnehmerInnen schauen sich überhaupt keine Tiersen-dungen im Fernsehen an. Das Geschlecht scheint einen Einfluss auf das Fernsehverhalten zu haben: Knapp 2% der Frauen, aber 12% der Männer lehnen Tiersendungen im TV ab. Und von Männern werden alle TV-Formate weit weniger häufig gesehen als von Frauen.

Hundebesitzer sollen Straßenkot entfernen
Fast jeder hatte schon einmal eine unangenehme Begegnung mit Hundekot auf der Straße. Auch aus der Distanz ist die Verschmutzung der Gehwege für viele ein Ärgernis. Wer ist für die Entfernung von Hundekot auf öffentlichen Straßen zuständig? Ein überschäumender Anteil von 83% der Befragten ist der Meinung, dass das die Aufgabe der Hundebesitzer ist. 10% schieben die Verantwortung der Kommune zu. Und 3% tolerieren scheinbar den Straßenkot: Die Leute, die der Kot stört, sollten ihn auch entfernen. Einige scheinen auch unendliches Vertrauen in tierpädagogische Konzepte und Re-spekt vor der Lernbereitschaft des Hundes zu haben: Der Antwortvorgabe „der Hund“ selbst stimmen immerhin 0,4% der Befragten zu.

Steuer nur für Hunde
Mit Füttern und Gassi gehen alleine ist es nicht getan: Hundebesitzer müssen ihren Vierbeiner anmel-den und den Kommunen Hundesteuer bezahlen. Eine sehr umstrittene Abgabe, wogegen sich auch Lobbygruppen und Bürgerinitiativen formierten, z.B. die deutschen Hundefreunde gegen die Hundesteuer, die eine solche Steuer als sozial unverträglich kritisieren. sozioland wollte wissen, ob es gerechtigkeitshalber auch für andere Tiere eine staatliche Abgabe geben sollte. Das Urteil ist einhellig: Fast 72% sind dagegen. Knapp 19% sagen ja, aber nur für Tiere bis zu einer bestimmten Größe. Nur 6% sind generell dafür.

Kostümierte Haustiere Tierquälerei
Dagegen ist das Schleifchen von Rudolph Moshammers Hündchen Daisy noch ein harmloses Accessoire: In den USA ist das Verkleiden des kleinen Lieblings zu Halloween mittlerweile Trend. Und auch in Deutschland sind immer häufiger kostümierte Haustiere zu sehen. Doch nur 1% aller Befragten finden das „total putzig“, und würden ihr eigenes Haustier zu Karneval auch verkleiden. Fast 3% würden mitziehen, wenn das Kostüm nicht zu teuer ist. 14% sind der Meinung, dass das blöd aussieht und für fast 80% stehen die Bedürfnisse des Tieres im Vordergrund. Sie sind sich einig: Die Verkleidung von Tieren ist Tierquälerei.

Tiermessen werden abgelehnt
Die meisten Tierbesitzer scheinen für das Wohlergehen ihrer Lieblinge sensibilisiert. Tiermessen, Zuchtschauen etc. lehnt die Mehrheit unserer Befragten, sowohl Frauen als auch Männer, daher einhellig ab: 23% der Befragten halten davon gar nichts, das sei Tierquälerei und sollte verboten werden. Und über 50% halten davon nicht viel, da Tiere keine Schauobjekte seien. 13% hingegen besuchen sie oft und knapp 3% nehmen mit ihren Tieren selbst daran teil.

Befragte: Haustiere sollten Beerdigungszeremonie erhalten
Tod, Schmerz und Trauer: Wenn ein geliebtes und lange Zeit gehegtes Tier stirbt, ist der Abschied oft schwer. Wie sollte das letzte Geleit ablaufen? Was halten die Befragten davon, tote Haustiere in einem Haustiersarg auf einem Tierfriedhof zeremoniell beerdigen zu lassen? 36% sehr viel, denn Haustiere gehören zur Familie und sollten so auch ihren Frieden finden, meinen sie. Pompöse Trauerzeremonien zur besseren Verarbeitung des Todes? 26% finden, so könne man sich wenigstens von seinem Haustier verabschieden. Wenig Sympathie für ein solches Begräbnis aufbringen können lediglich 24%, denn davon werde das Tier auch nicht mehr lebendig. 1% der BefragungsteilnehmerInnen sehen das nüchtern: Sie halten gar nichts davon, schließlich sei das doch nur ein Tier. Was Rudolph Moshammer wohl dazu gesagt hätte? Eins ist zumindest klar: Für seine Daisy würde er ein zeremonielles Staatsbegräbnis ausgerichtet haben, an dem die halbe Münchener Schickeria teilgenommen hätte. (sista)


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