Juli Zeh - Kleines Konversationslexikon für Haushunde
In seinem KLEINEN KONVERSATIONSLEXIKON FÜR HAUSHUNDE erklärt Othello die Welt. Quelle: Schöffling & Co. 08.08.05
Othello ist der Hund einer Schriftstellerin und als solcher ein aufmerksamer Beobachter menschlichen Sprachverhaltens. Er weiß: Ein solider Grundstock an Vokabeln verhindert Mißverständnisse und erleichtert das Zusammenleben von Haushund und homo sapiens enorm.
In seinem KLEINEN KONVERSATIONSLEXIKON FÜR HAUSHUNDE erklärt Othello die Welt, wie sie wirklich ist - nämlich aus Hundesicht. Von A wie Apport (»Versuch des Menschen, seine Herrschsucht als Kulturpflege zu tarnen«) über Buddhismus, Entenjagd, Hypnose, Jogger, Katze-im-Allgemeinen, Katze-im-Besonderen, Quantenphysik, Stoizismus und Yoga bis Z wie Zierpflanze bleiben dabei keine Fragen offen. Da wage noch jemand zu behaupten, das Leben eines Hundes drehe sich nur um Fressen (vgl. -> Trockenfutter; -> Restmülltonne) und Schlafen (vgl. -> Hundedecke).
Juli Zehs einmaliger Sinn für Humor und die grandiosen Farbphotographien von David Finck machen das KLEINE KONVERSATIONSLEXIKON FÜR HAUSHUNDE zu einem unverzichtbaren Kompendium - nicht nur für Hundefreunde – und eröffnen neue, ungeahnte Perspektiven auf die Menschenwelt. Ein unglaubliches Vergnügen!
Juli Zeh, geboren 1974 in Bonn, lebt in Leipzig. Ihr Roman ADLER UND ENGEL (2001) wurde zu einem Welterfolg und ist mittlerweile in 24 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Bücherpreis (2002), dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003) und dem Ernst-Toller-Preis (2003).
David Finck, geboren 1978 in Mettmann, studierte von 1999–2003 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Er lebt als Autor, Photograph und Webdesigner (www.davidfinck.de) in Leipzig.
Kleine Leseprobe:
Erziehung
Beliebtes Zwei-Mann-Spiel, bei dem die eine Partei versucht, praktische Details ihrer Weltanschauung auf die andere Partei zu übertragen. Wie bei allen Spielen gibt es Gewinner und Verlierer sowie verschiedene Schwierigkeitsgrade. Die antiautoritäre Erziehung schränkt die erlaubten Mittel so stark ein, dass sich der Erzieher zum Erzogenen verhält wie ein Steinmetz ohne Werkzeug zum Granit. Bei der autoritären Erziehung steht der Erzogene vor dem Erzieher wie eine Ameise vor dem Elephanten, nachdem sie höflich aufgefordert wurde, doch zur Seite zu treten. Weil der Spielverlauf in beiden Varianten vorhersehbar ist, haben sich homo sapiens und Haushund für eine spannende Mischform mit offenem Ausgang entschieden. Für den Haushund stellt seine natürliche Leidenschaft für Gehorsam und Regeln das größte Handicap dar, während homo sapiens durch sein äußerst empfindliches schlechtes Gewissen regelmäßig am Sieg gehindert wird. Innerhalb des beschriebenen Kräftegleichgewichts lassen sich viele spannende Manöver durchführen. Am Ende ist der Erziehungserfolg auf beiden Seiten gleich groß und ein kleines Stück mehr Gerechtigkeit in der Welt. Schlimm ist nicht, das Spiel zu verlieren. Schlimm wäre, es gar nicht erst aufzunehmen.
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