Hunde-News vom 20.02.2007
Wie gefährdet ist mein Tier?
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   Wie gefährdet ist mein Tier?
Krankheiten, die in Deutschland von Zecken und Flöhen auf Hunde übertragen werden
Quelle: Pressebüro Vennebusch
20.02.07


» Zecken im Fell
von Dr. Torsten Naucke

Viele Hundehalter informieren sich vor einer Auslandsreise, ob am Urlaubsort gefährliche Erkrankungen über Zecken, Mücken oder Flöhe auf ihr Tier übertragen werden können. Dabei drohen solche Gefahren auch hier in Deutschland. Welcher Parasit welche Krankheit überträgt, wie groß das Risiko ist, welche Regionen besonders betroffen sind und wie Sie Ihr Tier schützen können, lesen Sie im Folgenden.

1. IXODES RICINUS = Gemeiner Holzbock

Die in Deutschland ansässige Zecke Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) ist in ganz Deutschland verbreitet und hat für den Hund vor allem Bedeutung als Überträger von drei Krankheiten:

Borreliose
Das Bakterium Borrelia burgdorferi wurde erstmals 1982 in den USA aus Zecken isoliert, zwei Jahre später wurde es in Deutschland nachgewiesen. Heute, nur 22 Jahre später, gibt es hierzulande jährlich bereits rund 100.000 Neuerkrankungen bei Mensch und Tier. Der Überträger der Borreliose, die Zecke Ixodes ricinus ist in Deutschland bis zu 35 % mit dem Borreliose-Erreger infiziert. Krankheitsanzeichen der Borreliose beim Hund: Zwei bis fünf Monate nach Zeckenbefall leichte, ggf. wechselnde Lahmheiten, Apathie und Fieber. Bei schwerem Verlauf Lahmheiten bis zum Festliegen, oft kombiniert mit weiteren Infektionen.

Anaplasmose
Die Anaplasmose (Granulozytäre "Ehrlichiose") wird durch das Bakterium Anaplasma phagocytophilum hervorgerufen. Grundsätzlich besteht in ganz Deutschland die Gefahr einer Übertragung. Untersuchungen erwachsener Ixodes-Zecken haben in bestimmten Regionen Süddeutschlands Befallsraten von bis zu 4 % ergeben. Anaplasmen befallen Blutzellen und vermehren sich in ihnen. Krankheitsanzeichen der Anaplasmose beim Hund: Hohes Fieber über 3-5 Tage, Blutarmut, Gelenkentzündungen, Gleichgewichtsstörungen und Lähmungen.

Frühsommer-Meningoenzephalistis (FSME)
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch Viren ausgelöst. In allen Gegenden, in denen ein Infektionsrisiko für den Menschen besteht, ist auch der Hund gefährdet. Dies ist vor allem in Baden-Württemberg, Südhessen und Bayern der Fall. Der Durchseuchungsgrad liegt aber selbst in stark betroffenen Gebieten nur bei rund 0,2 %. Zu einer Erkrankung kommt es nur, wenn andere schwächende Faktoren hinzukommen. Krankheitsanzeichen beim Hund: Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen und andere Ausfallserscheinungen, hohes Fieber, Abgeschlagenheit, aber auch Übererregung.

2. DERMACENTOR RETICULATUS = Auwaldzecke

Bisher ging man davon aus, dass die Dermacentor-Zecke ausschließlich in südlichen Reiseländern beheimatet ist. Nun aber werden zunehmend Exemplare in verschiedenen Regionen Deutschlands gefunden, teilweise infiziert mit dem Einzeller Babesia canis canis, dem Erreger der Babesiose.

Babesiose
Der Erreger der Babesiose, der Einzeller Babesia canis canis, sitzt in den roten Blutkörperchen und kann diese zerstören. Daher wird die Babesiose häufig auch als "Hundemalaria" bezeichnet. Krankheitsanzeichen beim Hund sind allgemeine Müdigkeit, Appetitlosigkeit. Bewegungsstörungen und Lahmheiten. Typisch für das akute Stadium ist hohes Fieber bis 42 oC. Später kommt es zu einer Zerstörung von Blutzellen, es folgen schwere Allgemeinstörungen mit Gelbsucht und zentralnervösen Symptomen. Zwischen der Übertragung und dem Auftreten von Problemen können Wochen bis Monate liegen.

3. CTENOCEPHALIDES CANIS = Hundefloh

Trotz gewissenhafter Prävention gegen Flöhe sind immer noch 20 % aller Hunde in Deutschland befallen. Dass dies durchaus nicht nur hygienische, sondern auch medizinische Bedeutung hat, zeigen die Ergebnisse aktueller Untersuchungen von Prof. Dr. Heinz Mehlhorn, Leiter des Instituts für Parasitologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine Studien weisen darauf hin, dass der Floh Überträger vieler Erreger wie Viren und Bakterien sein kann und damit nicht nur die Gesundheit des Tieres, sondern auch die des Menschen bedroht. Lange bekannt ist die Funktion des Flohs als Überträger des Gurkenkernbandwurms.

Gurkenkernbandwurm
Einer der häufigsten Bandwürmer beim Hund, der Gurkenkernbandwurm Dipylidium caninum wird über den Floh auf Hunde übertragen. Hunde stecken sich an, indem sie infizierte Flöhe bei der Fellpflege abschlucken. Drohende Gefahren: Wechselnder Appetit, Durchfälle, Verstopfung, Darmverschluss.

PRÄVENTIVE MAßNAHMEN FÜR HUNDE IN DEUTSCHLAND

Zum Schutz vor den oben genannten Erkrankungen sollten alle Hunde einer

Flöhe sind nicht nur lästig. «
konsequenten präventiven Behandlung gegen Zecken und Flöhe unterzogen werden. Mittel der Wahl sind dabei Präparate, die alle in Deutschland wichtigen Zeckenarten und Flöhe abwehren. Ideal sind hierfür repellierende Wirkstoffe, die Zecken abwehren, bevor es zu einem Saugakt kommt (z.B. Advantix®, Bayer). Das Absammeln von Zecken nach dem Aufenthalt im Freien ist durchaus sinnvoll, kann aber kein vollständiger Ersatz für den präventiven Einsatz zuverlässiger Zeckenschutzprodukte sein. Bereits festsitzende Zecken müssen schnell, sicher und schonend entfernt werden. Reize wie Strom oder Kälte können dazu führen, dass die Zecke im Todeskampf Erreger in den Stichkanal abgibt und sind daher zu vermeiden. Zu empfehlen sind stattdessen Hilfsmittel wie Zeckenhaken, mit denen Zeckenstadien aller Größen auch an schwer zugänglichen Stellen wie dem Augenlid einfach und sicher entfernt werden können. Gegen die Borreliose steht außerdem ein Impfstoff zur Verfügung. Der Einsatz wird jedoch vielseitig diskutiert und setzt in jedem Fall eine Untersuchung auf eine bereits vorliegende Borreliose-Infektion voraus.

WAS TUN BEI AKUTEM ZECKEN- ODER FLOHBEFALL?

Bei akutem Zeckenbefall müssen sämtliche auf dem Tier befindlichen Zeckenstadien entfernt werden. Das Einsenden einer oder mehrerer Zecken in ein Labor für einen Nachweis von Borrelien, FSME-Viren oder Babesien ist möglich. Die Untersuchung kostet rund 30-40 Euro. Ein positiver Befund erfordert dann ggf. therapeutische Maßnahmen zur Vorbeugung einer Erkrankung. Bei Patienten mit akutem Flohbefall ist neben einer gezielten Flohtherapie (evtl. inkl. Behandlung der Umgebung) und einer weiterführenden Prävention auch eine Behandlung gegen Bandwürmer vorzunehmen.

Der Verein "Parasitus Ex e.V." hat es sich unter der Leitung von Dr. Torsten Naucke zur Aufgabe gemacht, Grundlagenforschung und Beratung rund um das Thema "parasitäre Erkrankungen bei Tieren" zu fördern. Tierhalter können sich mit individuellen Fragen zu Vorsorge, Erkennung und Behandlung von Erkrankungen, die über Flöhe, Zecken und Mücken übertragen werden, gern an die Hotline des Vereins wenden: Telefon 09001-727274 (0,99 Euro pro Minute). Weitere Infos unter www.parasitus.com


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