Der Fuchsbandwurm im Wohnzimmer
Parasiten werden zur Gesundheitsgefahr für den Menschen Quelle: Bayer Tiergesundheit 03.07.07
Leverkusen – Nach einem anstrengenden Tag die Füße hochlegen und den Stubentiger auf dem Schoß zum Schnurren bringen. Oder zur Entspannung mit dem Hund Gassi gehen: einfach raus und den Kopf frei bekommen. Die meisten Tierbesitzer schwärmen von der ausgleichenden Wirkung, die ihre vierbeinigen Freunde auf sie haben. Doch beim Schmusen oder beim Pfotenreinigen nach einem ausgiebigen Spaziergang besteht die Gefahr, sich mit einem gefährlichen Parasiten zu infizieren: dem Kleinen Fuchsbandwurm. Er kann beim Menschen Echinokokkose verursachen, eine nicht heilbare, in manchen Fällen sogar tödlich verlaufende Erkrankung.
Dank großflächiger Maßnahmen gegen Tollwut gibt es heute in Deutschland drei- bis viermal so viele Füchse wie noch vor 10 Jahren. In einer Großstadt wie München wird die Anzahl der Tiere derzeit auf ca. 3.000 geschätzt. Und Wohngebiete scheinen dabei eine besondere Anziehungskraft auf Meister Reinecke auszuüben. Hier wird er nicht gejagt, und Komposthaufen oder Mülleimer bieten kulinarische Köstlichkeiten. Mit im Gepäck: der Fuchsbandwurm – ein Parasit, der sich über Nagetiere, die sich durch den Kot von Füchsen oder verseuchtes Futter aus der Natur infizieren, auf unsere Haustiere übertragen kann.
Ob beim nächtlichen Streifzug durch die Nachbarschaft oder auch nur beim Spielen im Garten – Haustiere, die sich draußen aufhalten, können den Fuchsbandwurm durch infizierte Nager aufnehmen. Nicht regelmäßig entwurmt, geben Haustiere die Wurmeier über ihren Kot wieder zurück an die Nager – ein konstanter Kreislauf.
Für Hund und Katze weitgehend ungefährlich, kann der Fuchsbandwurm beim Menschen sehr großen Schaden anrichten. Die nur unter dem Mikroskop sichtbaren Wurmeier bleiben im Fell der vierbeinigen Hausgenossen hängen und verteilen sich so auch in unserem Wohn- und Lebensraum. Geraten die Fuchsbandwurmeier in den menschlichen Verdauungstrakt, schlüpfen die Larven und können anschließend ins Blut eindringen. Sie gelangen in die Leber, wo sie sich über Jahre unbemerkt ausbreiten und dabei tumorartig wuchern: Es entsteht eine alveoläre Echinokokkose.
Diese seltene, aber heimtückische Erkrankung entwickelt sich sehr langsam – erst 10 bis 15 Jahre nach der Ansteckung treten Symptome auf. Bei Anzeichen wie Bauchschmerzen oder Gelbsucht hat die schleichende Krankheit oft schon große Teile der Leber zerstört und auch andere Organe befallen. Spät diagnostiziert sind die Leberschäden meist schon so weit fortgeschritten, dass eine Operation nur noch in wenigen Fällen möglich ist. Mit Hilfe einer speziellen Chemotherapie verläuft die Echinokokkose zwar nicht unbedingt tödlich, Patienten müssen die Behandlung jedoch lebenslang fortführen. Denn die Medikamente können zwar das Wachstum der Wucherungen stoppen, aber die Parasiten nicht vollständig entfernen.
Dem Robert-Koch-Institut wurden im letzten Jahr 16 Neuerkrankungen mit alveolärer Echinokokkose gemeldet. „Insgesamt ist das Infektionsrisiko für den Menschen heute rund siebenmal höher als in den achtziger Jahren. Umso wichtiger ist es deshalb, der Verbreitung des Fuchsbandwurms mit präventiven Maßnahmen zu begegnen, um den Menschen effektiv zu schützen“ so Dr. Andreas König vom Fachbereich Wildbiologie und Wildtiermanagement am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TU München.
Ende 2001 startete Dr. König mit Unterstützung von Bayer HealthCare die ersten Modellversuche zur Prävention bei Füchsen. Ähnlich wie bei der Tollwutprophylaxe wurden Köder mit dem Flugzeug und per Handauslegung verteilt. Die tiefgekühlten Köder mit Praziquantel – einem bewährten Bayer-Wirkstoff zur Haustierentwurmung – entwickeln beim Auftauen einen Duft, der für den Fuchs einfach unwiderstehlich ist. So konnten Ende 2005 in einem Entwurmungsgebiet bei München die Befallsraten in drei Monaten von 51 auf 16 Prozent gesenkt werden. Allerdings handelt es sich bei der Wurmkur nicht um eine Impfung wie bei der Tollwut. Der Fuchs kann sich schon 24 Stunden, nachdem er den Köder gefressen hat, neu infizieren.
Eine der effektivsten Maßnahmen, um die Ausbreitung von Echinokokkosen beim Menschen unter Kontrolle zu bekommen, ist eine regelmäßige Entwurmung der vierbeinigen Familienmitglieder. Eine vierteljährliche Behandlung senkt das Risiko einer Übertragung von Wurmeiern auf den Menschen erheblich. Der Bandwurm stößt alle vier Wochen bis zu 400 Eier ab – wer also ganz sicher sein will, dass Hund oder Katze keine Bandwurmeier ausscheiden, sollte alle vier Wochen entwurmen.
Bereits vor dreißig Jahren wurde der Wirkstoff Praziquantel von der Bayer AG ent-wickelt. Seither wird die Substanz sowohl von Tierärzten als auch von Tierhaltern erfolgreich zur Entwurmung von Hund und Katze angewendet. Die Bayer HealthCare AG bietet Praziquantel als Droncit® an, zum Beispiel in Form von Tabletten oder zur leichteren Verabreichung bei Katzen auch als Spot-on-Lösung. Für Prof. Heinz Mehlhorn, Parasitologe an der Universität Düsseldorf, eine sinnvolle Behandlung: „Fuchsbandwürmer lassen sich durch Bandwurmmittel effektiv und bequem eliminieren. Durch eine regelgerechte Anwendung mindestens alle drei Monate ist damit die Echinokokkengefahr im eigenen Heim stark reduziert.“
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