Risiko für Hüftgelenksdysplasie:
Veranlagung bei Hunden bald voraussagbar? Quelle: DEUTSCHES GRÜNES KREUZ 10.06.08
Genetische Marker für Gelenkkrankheit bei Hunden entdeckt / Hilfe für Therapieforschung
(animal) Manch Tierbesitzer weiß ein Lied davon zu singen: Eine Hüftgelenksdysplasie ist
eine schmerzhafte Erkrankung, an der der geliebte Vierbeiner oft sehr leidet. Bei Hunden ist die Hüftgelenksdysplasie die bedeutendste Erkrankung der Bewegungsorgane. Sie kommt
bei allen Rassen vor, ist aber bei großen und schnell wachsenden Hunderassen wie zum
Beispiel Schäferhunden meist stärker ausgeprägt. Die Erkrankung wird dadurch verursacht, dass es infolge einer Entwicklungsstörung im Laufe der Skelettreifung beim Welpen und
Junghund zu verschiedenen Veränderungen an den Hüftgelenksknochen kommt.
Die Hüftgelenksdysplasie ist erblich bedingt und führt zu starken Bewegungsschmerzen
beim Tier. Die Krankheit ist nicht heilbar, Symptome und das Fortschreiten der Erkrankung
lassen sich aber durch entsprechende tierärztliche Behandlung hinauszögern und die
Schmerzen reduzieren.
Die Fortschritte in der Genetik machen es wahrscheinlich, zukünftig mit genetischen Methoden
die Veranlagung von Hunden für Hüftgelenkdysplasie festzustellen, was schließlich Therapiemöglichkeiten
zugute kommen könnte. Das Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung
der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover unter der Leitung von Prof. Dr. Ottmar
Distl hat gemeinsam mit dem Verein für Deutsche Schäferhunde (SV), der Gesellschaft
zur Förderung kynologischer Forschung (GKF) und dem Verband für das Deutsche Hundewesen
(VDH) vor kurzem genetische Marker gefunden, die bei Deutschen Schäferhunden
mit einer Hüftgelenksdysplasie-Veranlagung im Zusammenhang stehen. Wenn die Wissenschaftler
noch weitere Marker finden, dürfte man in Zukunft in der Lage sein, im Testverfahren
genaue Voraussagen über die Veranlagung zur Hüftgelenksdysplasie machen zu können.
Nach Ansicht der Wissenschaftler dient die molekulargenetische Aufklärung der Erkrankung
zugleich der Frage, wie man Krankheiten, die durch das Zusammenwirken vieler Gene und
komplexer Stoffwechselvorgänge entstehen, mit molekulargenetischen Techniken bekämpfen
könnte. Mit dem neuen Testverfahren werde es möglich sein, selektiv zu züchten und so
die vererbte Hüftgelenksdysplasie beim Hund zurückzudrängen, glauben die Forscher.
Auf den gefundenen Erkenntnissen aufbauend, wollen die Forscher Ansätze für die Entwicklung
neuer Therapien und Vorsorgemaßnahmen erarbeiten. Dies sei besonders vielversprechend,
da man bei keinem anderen Haustier über ein so umfangreiches Wissen über Körpermerkmale,
Verhaltenseigenschaften und erbliche Krankheiten verfüge wie beim Haushund.
Rund hundert Krankheiten wurden inzwischen molekulargenetisch erforscht. Allerdings
handelt es sich dabei ausschließlich um einzelne Gene; komplexe Erkrankungen wurden
beim Hund bisher noch nicht mit molekulargenetischen Methoden aufgeklärt.
Auch beim Menschen sind genetisch komplexe Krankheiten wie beispielsweise Gelenk-,
Herz- und Tumorerkrankungen schwierig zu beurteilen und zu behandeln. Die gewonnenen
Erkenntnisse beim Hund könnten helfen, Erkrankungen beim Menschen zu verstehen und zu
therapieren, meinen die Hannoveraner Forscher. Dafür spreche, dass Hunde ähnlichen Umwelteinflüssen
und Lebensbedingungen ausgesetzt seien wie der Mensch und damit bei bestimmten
Krankheitsbildern vergleichbar seien.
Quelle: Genetische Marker für Gelenkkrankheit bei Hunden entdeckt, Pressemitteilung der
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, 31.03.2008; idw-online.de
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