Hunde-News vom 13.10.2009
Skrupelloser Welpenhandel auf Polenmärkten
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   Skrupelloser Welpenhandel auf Polenmärkten
aktion tier warnt Berliner Hundefreunde dringend vor einem Kauf
Quelle: aktion tier - menschen für tiere e.V.
13.10.09


» (c) Foto aktion tier
Berlin/Slubice (Polen), 13.10.2009. Letzten Sonntagnachmittag auf dem Polenmarkt in Slubice, einige Kilometer hinter der Grenze bei Frankfurt/Oder. Es ist kalt, der Nieselregen kriecht einem selbst in die dickste Jacke. Direkt am Eingang des großen Marktgeländes stehen 8 Tierhändler. Ihre Ware, Hunde- und Katzenwelpen, präsentieren sie in einfachen Pappkartons. Hier kann man fast aller Rassen bekommen – heute werden uns Staffordshire-Bullterrier, Labradore, Boxer, Golden Retriever, Shi-Zu, Möpse und Französiche Bulldoggen entgegen gehalten. Die Winzlinge zittern in der Kälte und kuscheln sich eng an ihre Wurfgeschwister, einige haben verklebte Augen und von Milben geschwärzte Ohrmuscheln. Viele der Hunde wirken apathisch, wie betäubt. Kein Laut dringt aus den provisorischen Behältnissen.

„Wir gehen davon aus, dass ein Großteil dieser Hundewelpen von Berlinern gekauft wird“, sagt Ursula Bauer von aktion tier Berlin. Die Händlerinformationen zu den Tieren sind spärlich, Papiere gibt es entweder gar keine oder die Impfpässe sind gefälscht, obwohl behauptet wird, dass die Hunde geimpft und entwurmt sind. Die für einen Welpen dringend erforderliche Grundimmunisierung und Entwurmung von der 6ten bis zur 10ten Lebenswoche kostet normalerweise zwischen 80 und 100 Euro. Ein Hund für 50 Euro vom Polenmarkt ist folglich mit Sicherheit nicht geimpft.



„Die Welpenproduktion erfolgt im großen Stil, meistens werden viele Hündinnen, die permanent gebären müssen, auf engstem Raum gehalten“, weiß Ursula Bauer von aktion tier. In diesem oft auch noch unhygienischen Umfeld sind die Tiere einer Vielzahl von Krankheitserregern ausgesetzt. Nur die Muttertiere sind geimpft, da sie als Gebärmaschinen funktionieren sollen. Die in der ersten Zeit über die Muttermilch übertragenen Antiköper gewähren den Welpen bis etwa zur 4ten Lebenswoche einen gewissen Schutz, danach vermehren sich allerdings die Krankheitserreger rasant. „Die skrupellosen Hundehändler nutzen die kurze Zeitspanne von der 5ten bis 6ten Lebenswoche zwischen Ende des Immunschutzes und Ausbruch der tödlichen Krankheiten zum Verkauf der Tiere, da sie hier noch recht gesund und munter aussehen“, sagt Diplom Biologin Ursula Bauer.

aktion tier schätzt, dass über 50% der auf den Polenmärkten erstandenen Hundewelpen dem Tod geweiht ist. Die meisten der Babys erkranken nach kurzer Zeit an Parvovirose, einer hoch ansteckenden und meist tödlich verlaufenden Infektionskrankheit. So ist die Freude an dem neuen Familienmitglied meist nur von kurzer Dauer.

„Dass man auf Polenmärkten für 50 Euro etwa einen reinrassigen Boxer erstehen kann, für den man bei einem seriösen Züchter mindestens 900 Euro bezahlen müsste, ist sicherlich für manchen Hundefreund verlockend“, sagt Ursula Bauer von aktion tier Berlin. „Wir raten jedoch dringend von einem Kauf ab“, so die Biologin weiter. Nicht nur die relativ hohe Wahrscheinlichkeit, ein krankes Tier zu bekommen, sowie die Tatsache, dass durch den Kauf der gewissenlose und ausschließlich profitorientierte Handel unterstützt wird, sollten nachdenklich machen. Letztendlich drohen auch rechtliche Konsequenzen. Gemäß der Deutschen Tierschutz-Hundeverordnung darf ein Welpe erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden. Wer etwa aus Unwissenheit ein jüngeres Tier ersteht, handelt ordnungswidrig. Außerdem müssen gemäß den geltenden Bestimmungen auch Hundewelpen unter 3 Monaten bei der Einreise nach Deutschland mittels Microchip oder Tattoo gekennzeichnet sein sowie über eine EU- Heimtierpass verfügen. Hunde der Rassen Pit-Bullterrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier sowie deren Kreuzungen dürfen überhaupt nicht nach Deutschland eingeführt werden.


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