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   Vier Tage in einer Tierpension... oder Selbsterkennung...

Eine Geschichte von Diplom Tierpsychologin (ATN) Elke Parker

LordHallöchen... ich heiße Lord, bin, wie unschwer zu erkennen, ein Collie, jawohl ein C O L L I E und keine L A S S I E(!!!) und knapp 4 Jahre alt. Man sagt mir nach, dass ich ein kluger, gut erzogener und schöner Hund bin. Hui, was für Attribute!!! Der Collie ist gemäß Rassebeschreibung ein Hund von edler Erscheinung, fast schon aristokratisch. Naja... mag ja sein.

Es begab sich vor einigen Wochen, dass mein Frauchen ohne mich verreisen musste. Nee, was war die traurig. Nun sollte ich in eine Tierpension. Schon alleine der Gedanke trieb meiner Menschin die Tränen in die Augen, und am Tag meiner Anreise in der Tierpension Weiss in Heiligenhaus, da war sie mehr als unglücklich. Irgendwie merkte ich schon was, aber auf der anderen Seite wusste ich ja nicht so recht, was eine Tierpension ist, war ja noch nie in einer, und somit war ich ziemlich cool und relaxed.

Man brachte mich in einen schönen großen Zwinger mit beheiztem Innenraum und geräumigem Außenauslauf. Nebenan war eine Dackeldame namens „Heika“ einquartiert. 16 Jahre alt, das Mädel, aber noch ganz gut drauf. Ich nahm mir vor, während meines Aufenthaltes etwas auf sie aufzupassen, bin ja schließlich von „Beruf“ Hütehund. Frauchen ließ mir meine Lieblingsdecke und ein Spielzeug da und marschierte ziemlich schweren Herzens von dannen. Wollte ihr fast schon nachrufen: „Hey, sind doch nur ein paar Tage...!“

Aber sie hätte mich eh nicht verstanden. Also unterhielt ich mich eine Runde mit Heika, und dann wurden wir auch schon in den großen Auslauf gelassen. Niemals werde ich all diese Gerüche vergessen, die vorher noch nie meine Nase gekitzelt hatten. Da gab es Löcher zum Buddeln, bewohnt von kleinen, braunen Wühlmäuschen, da lagen viele Bälle zum Spielen herum und... da liefen vierbeinige Tiere, etwas größer als ich, und mit gaaaanz viel Wolle drumherum. Die hatten einen etwas merkwürdig strengen Geruch an sich, und was da hinten bei denen rauskam war ein idealer Untergrund um sich darauf zu wälzen.

LordVergessen war die städtische Aristokratie. Hurra... ich war auf dem Land! Nun ging es darum diesen Wolltieren (Menschen nennen sie „Schafe“) begreiflich zu machen, dass ich für einige Tage ihr „Boss“ war. Habe ich mich also erst mal vor sie positioniert und angebellt. Verwirrt stellte ich fest, dass sie sich davon überhaupt nicht beeindrucken ließen, mich dümmlich anglotzten und anfingen zu blöken. Also, was tun? Ich stand vor einem Rätsel. Bin zwar ein Hütehund aber mit wenig bis gar keiner praktischen Erfahrung. Vielleicht würde es helfen vor ihnen auf und ab zu laufen? Ich versuchte es und tatsächlich... sie setzten sich alle in Bewegung.

Irgendwann später kam mir mal der Gedanke, dass sie sich wohl sowieso in Trab gesetzt hätten, aber Euch ist wohl klar, dass ich diesen Gedanken Sekunden später wieder verwarf. Diese schlauen Wollknuddels hatten sicherlich meine Hütefähigkeiten erkannt. Schließlich ließ sich ja auch die kleine Dackeldame Heika widerspruchslos von mir leiten. So verließ ich diese kleine Tierpension als völlig anderer Hund. Mit gestärktem Selbstbewusstsein und dem Wissen um nie geahnte Hütequalitäten. Schade nur, dass ich es meinem Frauchen nicht erzählen konnte. Aber die nette Frau, die diese Pension leitet hat sich angeboten, mir beim Schreiben der Geschichte zu helfen. Und wisst Ihr was...? Da geh ich gerne mal wieder hin für ein paar Tage. Tierpension tut überhaupt nicht weh! Euer Lord!

Autorin: Elke Parker
Diplom Tierpsychologin (ATN)
Homepage:www.tierhotel-weiss.de


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