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   Mozarts Schicksal

Eine Geschichte von Viktoria Schipper

Als unsere neuen Nachbarn in das Haus neben uns zogen, war ich total aufgeregt, weil mir meine Mutter erzählt hatte, dass sie einen Hund hätten. Ich habe Hunde schon immer geliebt, aber meine Familie hatte nicht genug Zeit für einen eigenen Hund, obwohl ich mich immer schon gerne mit den treuen Vierbeinern beschäftigt habe. Mit Freude erwartete ich also den ersten Tag, an dem unsere Nachbarn, eine schwangere Frau mit ihrem Ehemann, vor der Tür standen, gemeinsam mit ihrem langhaarigen grauen Mischlingshund Mozart.

Lächeln!
Als er mich das erste Mal mit seinen großen schwarzen Augen ansah, war es um mich geschehen und ich verlor mein Herz. Doch auf einmal fiel mir das linke trübe Auge von Mozart auf. Ich fragte nach und da erfuhr ich erst, wie herzlos der Hund von Menschen behandelt worden war und wie hart sein Schicksal ihn getroffen hatte. Unsere Nachbarin hat in Frankreich Tiermedizin studiert und als sie eines Tages durch die Felder streifte, entdeckte sie einen völlig zusammengeschossenen, verwilderten jungen Hund: Mozart.

Zwölf Kugeln hatten seinen Körper getroffen und weil es zu gefährlich war, sie zu entfernen ließ man sie an Ort und Stelle. Eine der Kugeln hatte sein Auge getroffen, was bedeutet, dass er bereits als junger Hund blind war. In mehreren Operationen wurde der schwerverletzte Hund wieder zusammengeflickt und trotz seiner schlechten Erfahrungen mit Menschen, hat er wieder Vertrauen gefasst. Als ich ihn kennenlernte war er zutraulich und lieb. Oft habe ich ihn nachmittags zum Spazieren gehen abgeholt und bin mit ihm durch die Felder gestreift, habe mit ihm Freunde besucht oder ein Wettrennen veranstaltet.

Ich weiß auch nicht, was es war, aber er hatte etwas ganz Besonderes an sich, etwas, dass jedem Menschen ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Überall wo wir spazieren waren, haben die Leute uns gewunken, den Hund gestreichelt und ihn mit Leckerlis verwöhnt. Ich bin mir sicher, dass er das immer genossen hat und er hat alles mit sich machen lassen.

Eine besondere Begegnung ist mir noch im Kopf geblieben. Als wir einmal spazieren waren, kam eine Frau im Rollstuhl an uns vorbei. Sie ist komplett gelähmt, aber alleine und jede Bewegung fällt ihr schwer. Mozart war nicht angeleint und somit lief er auf die Frau zu. Ich hatte Angst, dass er sie anspringen könnte und lief rufend hinter ihm her. Doch er ging zu der Frau und leckte ihre Hand und strich ihr um die Beine. Das war das erste Mal, dass ich sie lachen sah, ein tiefes schönes Lachen.

Vor Freude und Rührung hatte ich Tränen in den Augen stehen....meine Lippen waren salzig und ich spürte einen Kloß im Hals. Das war mein schönstes Erlebnis. Er hat dieser Frau, die auch wie er so vom Schicksal gebeutelt war, ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Vielleicht hat er gespürt, wie schlecht es ihr ging. Diese Frau konnte noch einmal lachen und Zutrauen erfahren. Mozart hat immer gegeben, auch wenn er ein so stark kranker und behinderter Hund war.

Knapp ein Jahr nach diesem Erlebnis musste ihm auf Grund eines Tumors das Bein amputiert werden. Und trotzdem war er stark, ist noch gelaufen und hat immer bei uns Katzenfutter gefressen. Doch irgendwann war er zu schwach, das Immunsystem war kaputt und er hätte nur noch mit starken Medikamenten leben können. Da ließen ihn seine Besitzer einschläfern. Es war besser so. Er sollte nicht mehr leiden, nein, das wäre gemein gewesen, nachdem er das Leiden anderer stets gelindert hatte und immer zutraulich gewesen war.

Es wäre nicht fair gewesen, wenn er seinen Schmerzen unterlegen hätte. Nach seinem Tod habe ich lange bittere Tränen geweint und ich gehe noch heute oft die Wege ab, die ich mit ihm immer gelaufen bin. Er war der Hund, den ich geliebt habe, und die schönen Erinnerungen mit ihm sind für immer tief in meinem Herzen eingeschlossen. Er war ein Engel- mein Mozart.

Diese Geschichte habe ich für Mozart geschrieben.
Den Hund, den ich geliebt habe.
Den Hund, durch den ich meinen Freund kennengelernt habe.
Den Hund, durch den ich gelernt habe, was Liebe eigentlich ist.

In ewiger Liebe Viktoria Schipper


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