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   Der Lebenskünstler

Eine Geschichte von Ute Schwarz

Hallo! Ich möchte mich kurz vorstellen, mein Name ist „Lebenskünstler“ Ich bin nicht mehr der Jüngste, mein Leben war bisher recht turbulent. Zusammengefasst war ich Familienhund, Straßenhund, Tierheimhund, Pflegestellenhund und jetzt bin ich hier bei Dir, einem netten Mensch und Du sagst mein neuer Name ist „Dankbar“. Wie kommst Du darauf???? Kennst Du meinen Lebenslauf nicht?

Dankbar?
Ich will Dir aus meinem Leben berichten. Als junger Hund war ich Familienhund, ich habe im sonnigen Süden gelebt, ich hatte ein schönes Zuhause, reichlich zu Essen und nur nette Menschen um mich. Eines Tages haben meine Menschen ihre Sachen gepackt und in ein großes Auto geladen, dann sind sie gefahren und mich haben sie einfach vergessen!

Natürlich war ich traurig, aber weil ich „Lebenskünstler“ heiße verdrängte mein Hunger und Durst schnell die größte Trauer. So habe ich mein Glück in die eigenen Pfoten genommen, denn schließlich war ich jetzt ein Straßenhund. Als Straßenhund muss man viel lernen, ich habe gelernt wie man auch die best gesicherten Mülltonnen knackt, wie man sein Futter gegen andere Hunde verteidigt , wie man seinen Schlafplatz bis zum nächsten Morgen behält, das nicht alle Menschen nett sind und man am besten vor einigen von ihnen Reißaus nimmt oder im Notfall auch mal zulangt.

Das habe ich alles geschafft, weil ich intelligent bin und mich auch gegenüber meinen Kollegen durchsetzen kann. Nach einiger Zeit fand ich mein Leben gar nicht mehr so schlecht, ich heiße eben „Lebenskünstler“.

Eines Morgens hat es mich aber erwischt, plötzlich hatte ich eine enge Schlinge um den Hals, sie hat sich in meine Haut eingeschnitten und weil ich mich gewehrt habe, wurde ich recht unsanft in ein Auto befördert. Kurz darauf fand ich mich in einer kleinen Zelle mit sechs meiner Kollegen wieder. Auf der Straße konnte ich mir meine Freunde aussuchen, hier in der Zelle musste ich sogar mit Feinden auskommen. Es gab auch keinen Busch oder Baum wo ich meine Geschäfte erledigen konnte, also habe ich gelernt, was muss das muss.

Wenigstens gab es genügend Futter und Wasser. Nun war ich also ein Tierheimhund, es war nicht schön, aber Du weißt als „Lebenskünstler“ kann man auch bescheiden (über)leben. Etwas später habe ich dann eine merkwürdige Reise gemacht, in einer engen dunklen Box, ich hatte furchtbare Angst aber ich dachte Augen zu und durch, es kann ja nur noch besser werden.

Tatsächlich als ich wie ein Wunder wieder aus der Box durfte, waren da nette Menschen und nette Hunde-Kollegen, sie nahmen mich mit in ihr Haus und ich musste um nichts mehr kämpfen. Es gab Futter, Wasser, Streicheleinheiten und einen eigenen Schlafplatz für mich. Jetzt war ich ein Pflegestellenhund.

Lebenskünstler!
Ich bin überglücklich! Die Pflegestelle habe ich wieder verlassen und habe Dich als meinen neuen Mensch bekommen, Du sagst, ich heiße ab jetzt „Dankbar“. Mein lieber neuer Mensch, ich heiße nicht „Dankbar“! „Dankbar“ wäre vor dem verlassenen Haus seiner Familie verhungert, auf der Straße vom anderen Hunden tot gebissen, vom Besitzer der Mülltonne erschlagen oder von Auto überfahren worden. Spätestens jedoch in der Zelle wäre „Dankbar“ von lauter Gram gestorben!

Ich habe es bis zu Dir geschafft weil ich „Lebenskünstler“ heiße. Ich bin intelligent, kann lernen und will mich deiner Lebensweise anpassen. Dafür brauche ich Deine Toleranz und nicht Dein Mitleid, denn Dein Mitleid bewegt Dich dazu mich „ Dankbar“ zu nennen.

Bis ich mich an Deine Lebensweise gewöhnt habe, werde ich womöglich weiterhin Dein Essen klauen, Deine Mülltonne leeren, Deine Blumentöpfe umgraben, Deinen Perserteppich als Toilette benutzen , abhauen wenn Du mit der Leine kommst und mich gar nicht freuen wenn Du mir zu sehr aufs Fell rückst.

Ich denke Du stimmst mir zu; alles sehr schlechte Angewohnheiten für einen Hund der „Dankbar“ heißen soll! Deswegen sei Du tolerant und lass mir einstweilen meinen Namen „Lebenskünstler“. Du wirst feststellen wir können zusammen lernen und Du wirst mir nach einiger Zeit den Namen „ Perfekt“ geben können!

Autorin: Ute Schwarz


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