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Von der Hoffnung zum Glück...
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   Von der Hoffnung zum Glück...

Eine Geschichte von Karin Matzner

Also, eigentlich wollten wir nach dem Tod unseres Hundes Sam, längere Zeit keinen Hund mehr zu uns holen. Jedoch wie heißt das Sprichwort? ... Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt…. So auch bei uns. Nach einem kurzen Erholungsurlaub stand bei uns beiden fest, lange halten wir es "ohne" nicht aus. Jetzt werden uns viele sagen… bei uns war das auch so… ja man plant und sagt sich, es ist gut so "ohne". Wieder andere meinen "jetzt könnt Ihr wieder fort… oder… jetzt seid Ihr ungebunden.

Aber ehrlich gesagt, ist das nicht dass, was wir wirklich wollen. Eines wussten wir jedoch genau, es sollte ein Hund aus dem Tierschutz sein. Nach vielen, auch nächtlichen Stunden im Internet, haben wir gesehen, dass es nur so von Heimat suchenden Hunden wimmelt. Die Auswahl ist riesengroß. Wir wollten nur, dass das Tierheim in dem wir unseren "Neuen" finden, nicht allzu weit weg ist.

Lucky - Glück!
Wir hatten bereits genaue Vorstellungen, er musste sich mit Katzen verstehen, er sollte kurzhaarig sein, eventuell bereits etwas gelernt haben, und er durfte ruhig etwas älter sein, da diese Hunde ja sowieso schlechte Chancen hatten. Mit diesen Vorstellungen gingen wir in den nahe gelegenen Tierheimen auf die Suche. Die Vielzahl ist fast erdrückend. Alle tun einem Leid, Platz ist jedoch nur für einen.

Nach dem dritten Tierheim ohne das passende zu finden…das ist ja sowieso fast unmöglich, hatten wir doch zu viele Anforderungen? …man fasst es kaum… sind wir dann noch ins Tierheim Pfullingen. Dort waren Hunde aus Rumänien neu angekommen, welche teilweise vor der Tötung gerettet wurden. Da fanden wir eine mittelgroße, schwarze, süße Hündin. Ihr Name war Hope (Hoffnung). Uns wurde kurz die Geschichte von der Rettung in der Tötungsstation berichtet.

Ja, mit der konnten wir uns das weitere Zusammenleben gut vorstellen. Es gab da nur noch den Test auf Katzenverträglichkeit, welcher in den nächsten Tagen durchgeführt werden sollte. Nach ein paar Tagen sind wir wieder dorthin. Auch wir hatten nun die Hoffnung, den passenden Hund gefunden zu haben, nicht aufgegeben. Doch leider wurde uns mitgeteilt, dass die Hündin wohl Katzen nicht mag, und es besser wäre, sie nicht zu unserem Kater zu lassen. Wir waren etwas enttäuscht.

Nach kurzer Beratung mit der freundlichen Tierheimleiterin, wurde uns noch ein anderer Hund gezeigt, welcher ebenfalls in dieser Tötungsstation war, und der uns auch bereits durch sein humpeln im Zwinger aufgefallen war. Es war Lucky (glücklich). Dieser Hund hatte sehr viel Charme, war aber etwas zurückhaltender als Hope. Diese drängte sich immer wieder zwischen Lucky und die Gitter. Ihr vorwitziges Gesicht scheint immer wieder zu sagen "Nimm mich, Nimm mich".

Aber Lucky sah mich an, mit seinen etwas traurigen Augen die zu sagen schienen "wer will mich schon mit meinem Humpelbein?" Da gab ich Ihm mein Versprechen, Ihn zu uns nach Hause zu holen und Ihn gesund zu pflegen. Wir besprachen das weitere Vorgehen mit der Tierheimleiterin, da die Operation an seinem Bein ziemlich schnell vorgenommen werden sollte.

Kurzerhand sprach ich mich mit meiner Arbeitsstelle ab, und konnte unseren geplanten "Hunde"-Urlaub vorziehen. Dann ging alles ganz schnell. Der OP-Termin von Lucky wurde noch mit dem Tierarzt abgeklärt, es war die Frage, ob er noch gleich vor unserer Abholung operiert werden kann, oder erst später. Bereits eine Woche danach, freitags, konnten wir Lucky im Tierheim abholen. Die OP sollte gleich montags sein. Wir hatten vorsorglich bereits Leine und Geschirr mitgebracht. Diese übergaben wir einer netten Angestellten, welche den Hund aus dem Zwinger holen wollte.

Und da kam er, bzw. wurde herein getragen….. ein armes ängstliches Fellbündel, nichts ahnend was nun als nächstes kommen sollte. Wir haben uns vorsichtig, Ihm, der am Boden kauerte, genähert. Er beschnüffelte uns ausgiebig, legte sich auch gleich auf den Rücken (bitte, bitte tut mir nichts). Wir streichelten Ihn vorsichtig, alle Umstehenden sahen sich diese erste Begegnung an. Dann kam der Augenblick, als wir Ihn zu unserem Auto trugen. Wir legten Ihn auf die Rücksitzbank, und ich setzte mich hinzu und legte meinen Arm zu Ihm.

Der kleine Kerl hatte in der letzten Zeit so viel mitgemacht, er hatte eigentlich Angst doch überwog auch immer wieder die Neugier, und so hob er seinen Kopf um die vorbeihuschende Umgebung wahrzunehmen. Bei Dämmerung kamen wir mit Ihm zuhause an. Ja jetzt kam der spannende Augenblick wie er reagiert wenn er unseren Kater sieht. Wir trugen Ihn als erstes ins Wohnzimmer.

Immer noch waren wir überrascht, dass von Ihm aus, kein bisschen Angstschnappen da war. Er kennt uns nicht, und lässt alles über sich ergehen. Es ist so einfach, solch einem Tier, das sich nicht wehrt, etwas anzutun. Er hatte wirklich sehr, sehr viel Glück, der Tötungsstation entkommen zu sein. Und wieder haben wir uns gesagt, wie schade es gewesen wäre, so einen herrlichen, lieben Hund zu töten.

Er sah sich im Zimmer um, schnüffelte überall und sah uns an. Unser Kater kam ganz vorsichtig um die Ecke und besah sich dieses neue Individuum. Alles war bisher ruhig, Lucky legte sich auf den Boden auf unseren kleinen Wohnzimmerteppich. Der Kater kam ganz langsam ins Wohnzimmer geschlichen. Wir hielten den Atem an. Das war fast wie bei einem Krimi. In gehörigem Abstand lief der Kater an Lucky vorbei. Doch der Hund blieb ruhig liegen und ist nicht wie wir befürchtet hatten, dem Kater hinterher gesprungen.

So, dies wäre zuerst einmal geschafft. Die erste Begegnung ohne Zwischenfall. Wir "vier" hielten uns jetzt längere Zeit zusammen im Wohnzimmer auf, wir Menschen immer einen Blick auf die beiden Vierbeiner. Lucky hat an diesem Abend den Kater nur zweimal von weitem angeknurrt und einmal wollte er ihm hinter her springen, da Gismo ihn längere Zeit mit seinem Blick fixiert hatte. Ein kurzes lautes "Nein" brach den Versuch, dem Kater zu folgen, sofort ab.

Als sich dieser aufregende Abend für beide Seiten seinem Ende zuneigte, trugen wir den Hund in die obere Etage ins Bad. Da man nicht wusste, ob er stubenrein ist, war die Unterbringung im Bad sinnvoll. Außerdem lag das Bad neben dem Schlafzimmer, und so konnten wir alles hören, was sich hinter der verschlossenen Tür zutrug. Es tat uns natürlich schon leid, ihn allein im Badezimmer zu lassen, aber diese Vorgehensweise war im Tierheim abgesprochen worden.

Wir mussten ja auch an Gismo denken, der nicht das Gefühl haben sollte, dass wir ihn nicht mehr mögen und den Hund ihm vorziehen. Also durfte Gismo in der Nacht bei uns im Schlafzimmer schlafen. Wir hörten aus dem Badezimmer nur leises Winseln. Uns tat das Herz weh, aber es half nichts, da mussten wir alle durch. Weil nun gerade das Wochenende war, war für uns angesagt, terminlicher Ablauf wie wenn wir zur Arbeit gingen. Ich stand um halb sechs auf, um die erste Runde mit dem Hund zu absolvieren.

Der Kater begrüßte uns mit einem Mauzen, ich beachtete den Rat der Tierheimleiterin, die beiden in der ersten Zeit nicht zu nahe zusammen zu lassen, um eventuell noch auftauchende Aggressionen auszuschließen. Der erste Spaziergang lief wirklich glatt, obwohl er sich in einer neuen Umgebung bewegt, ist er neugierig und nicht sonderlich scheu oder gar ängstlich, was ich eigentlich erwartet hatte. Auch das Laufen an der Leine ist nicht schlecht fürs erste Mal.

Zuhause angekommen wurde das Frühstück der Vierbeiner gerichtet. Dann wollten wir sehen, wie er sich verhält, wenn wir uns nicht in den Räumen aufhalten, in denen er ist. Ich ging also in den oberen Stock und horchte, ob ich ein winseln oder bellen höre. Aber es war ganz ruhig. Als ich etwa eine Stunde später kurz unten nachschaute, lag er auf seinem Platz und schlief. In der Mittagszeit ging ich nochmals eine Runde mit ihm, so wie es auch zukünftig sein würde, eben um ihn an unseren Rhythmus gleich zu gewöhnen. Das gleiche am Nachmittag. Dann wurde sich ausgiebig mit ihm beschäftigt.

Die ersten Übungen wie Sitz wurden vorsichtig versucht. Lucky ist ein sehr gelehriger Hund. Der Ablauf wurde auch sonntags so vollzogen. Am Montag war der OP-Tag. Wir hatten einen Termin um die Mittagszeit, so konnte ich Lucky Morgens noch ein leichtes Frühstück richten. Dann ging es später zum Tierarzt. Mein Mann musste arbeiten und damit ich nicht alleine bin, kamen meine Schwiegermutter und meine Schwägerin mit. Die Fahrt dorthin war für ihn sehr aufregend, das konnte man am vielen speicheln sehen. Er dachte bestimmt, wo werde ich jetzt hingebracht und was geschieht mit mir.

In der Praxis mussten wir nicht lange warten, sondern durften gleich ins Behandlungszimmer. Dort wurde kurz die Vorgehensweise erklärt und wann wir uns telefonisch melden konnten. Lucky bekam seine Narkosespritze und ich wartete mit ihm bis diese wirkte. Ja, da weiß man erst was für einen zähen Kerl man hat. Er wehrte sich gegen das Einschlafen und es dauerte etwas länger, der Tierarzt kam mehrmals zum überprüfen, aber Lucky war noch nicht soweit. Dann wurde er doch abgeholt, und er tat mir sehr leid. Wir sollten am Nachmittag anrufen um zu erfahren, wann er abgeholt werden kann. Die Gedanken gingen immer wieder zu ihm, obwohl wir ihn ja noch nicht so lange hatten.

Als wir ihn abholten, war er schon recht munter und hatte das komplette Praxisteam mit seinem Charme für sich eingenommen. Die Fahrt nach Hause war für ihn wieder aufregend, aber Zuhause angekommen, freute er sich auf den Rest der Familie. Er hatte also die OP gut überstanden. Das einzige was ihn störte, waren seine Verbände, und dies sollte uns auch noch sehr viel Geduld kosten. Es begann bald nachdem wir angekommen waren, dass er ständig an den Verbänden herumknabberte.

Alles schimpfen half nichts, auch nicht das ablenken…. Die Sturheit die er hier zeigte hat ihm wahrscheinlich ja seither das Überleben gesichert… Wir mussten kurzerhand bei unserem ortsansässigen Tierarzt einen so genannten Halskragen holen, um ihn am schlecken zu hindern, sonst würden wir keine ruhige Nacht haben. Der Hund tat uns jetzt natürlich richtig leid, denn jetzt muss er noch mehr in so kurzer Zeit ertragen.

Die Eingewöhnungswoche verlief richtig ruhig. Ich hielt mich die meiste Zeit im oberen Stockwerk auf, und kam nur zur Mittagszeit herunter. Wir wollten schon mal unseren Tagesablauf etwas simulieren. Und ich muss sagen, dies klappte auf Anhieb sehr gut, denn er winselte nicht und hat die meiste Zeit geschlafen. So konnte ich es mit der Zeit doch wagen, den Halskragen bei Lucky nicht anzulegen. Nur abends fing er dann an, immer an seinem Verband herumzuzupfen.

Auch mit Gismo gab es keine nennenswerten Zwischenfälle. Was mir sehr gefällt, ist dass unser Kater mittlerweile morgens wenn wir die erste Runde drehen, hinter der Haustüre wartet, bis wir wieder zurückkehren. Zeigt es doch, dass er ihn mag. Der Hund seinerseits zeigt noch etwas Zurückhaltung beim Kater, die wird er aber sicherlich im Laufe der Zeit auch noch ablegen.

Da wir ja noch zweimal zur Nachsorge zum Tierarzt mussten, konnten wir sehen, dass Lucky auch hier langsam auftaute. Er hatte nicht die Angst wie manch anderer Hund, er lief richtig locker im Wartezimmer umher, und saß dann auch brav bei uns. Nur wenn größere Hunde kommen, dann kann es sein, dass er die Zähne fletscht. Also die mag er nun gar nicht. Kleinere Hunde sind o.k., da lässt er sich auch beschnuppern, zu mehr reicht es zurzeit noch nicht. Er muss sich erst noch richtig einleben und zur Ruhe kommen. Das alles hängt sicherlich mit dem Erlebten zusammen. Wir werden später versuchen, dies in einer Hundeschule wieder gerade zurücken.

Dann kam der große Tag an dem das neue Leben für alle endlich richtig beginnen sollte. Als wir morgens aus dem Haus gingen, hat sich Lucky noch an die Haustüre gesetzt. Dann ging er schnell zur Balkontüre um uns am Gartentor zu beobachten. Natürlich gingen die Gedanken während der Arbeit immer wieder zu ihm. In der Mittagspause sahen wir kurz nach, ob er vielleicht aus Frust oder Langeweile sich an unserem Hausrat bedient hat. Aber nichts war kaputt und die Restwärme im Korb zeigte uns, dass er geschlafen hat. Ich zog ihm sein Geschirr an und wir machten unsere Runde.

Das Warten an der Haustür bis wir gingen, hielt genau drei Tage, dann lief er gleich an die Balkontür ohne uns an der Haustüre zu verabschieden. Nachdem alles mit der Eingewöhnung so gut gelaufen war, gingen wir nach diesen drei Wochen ins Tierheim um den Übernahmevertrag abzuschließen. Bei Hope hatten wir eben die Hoffnung wieder einen Hund in unserem Leben zu haben, und mit Lucky hatten wir uns schlussendlich das Glück ins Haus geholt. Jetzt hatte Lucky endlich ein eigenes Zuhause und wir kamen wirklich "von der Hoffnung zum Glück"


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