An meine Menschen
Eine Geschichte von Gisela Watzke-Scholl
Am 19.03.2008 durfte ich über eine schillernde Brücke in ein Land
gehen, in dem es keine Schmerzen mehr, immer genug zu fressen und zu
trinken und ein warmes Plätzchen gibt. Alle Tiere werden hier wieder
jung und spielen den ganzen Tag. Bis wir uns eines Tages wieder treffen.
Ich weiß, dass es euch viel Überwindung gekostet hat mich hierhin
gehen zu lassen, aber ihr habt für mich die beste Entscheidung
getroffen.
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| Dixie |
Am 03.03.2005 bin ich ins Tierheim gekommen. Mein Herrchen konnte
nicht mehr für mich sorgen. Viele Augen richteten sich auf mich, mich
den Neuankömmling. Also, ehrlich gesagt ein bisschen mulmig war mir
schon zumute. Und dann auch noch der Zwinger. Die Menschen dort
sprachen ruhig und freundlich mit mir - ihre warmen Stimmen und ihr
liebevolles Streicheln taten mir gut. Doch Hunger hatte ich keinen,
obwohl ich sonst wirklich kein Kostverächter war.
Schon bald begann mein Fitnessprogramm - übergewichtig- sagten die
Menschen. Und so marschierten sie mit mir, bei Wind und Wetter, bis ich
eine Idealfigur hatte. Meine Menschen waren stolz auf mich und ich auch
auf mich.
Doch das "fette Leben" - vorher - hatte seine Spuren hinterlassen.
Nun, ich war ja auch nicht mehr die Jüngste. Aber Arthrose ist wirklich
gemein.
Doch eines Tages kam ein ganz besonders lieber Mensch auf mich zu, der
mit mir redete, mich streichelte und stellt euch vor, mich dann zu sich
nach Hause genommen hat.
Ich kann euch sagen, es war ein Traum. Alles war auf mich abgestimmt -
auf mein Alter - auf mein Gebrechen. Ich war im Schlaraffenland.
Meine Schmerzen nahmen mit der Zeit zu. Ich bekam Cortison. In den
letzten Tagen haben mein Frauchen und die Ärztin oft ein besorgtes
Gesicht gemacht.
Am 19.06.2008 während eines Spazierganges durchzuckte mich ein
heftiger Schmerz, der so stark war, dass ich nicht mehr aufstehen
konnte und wollte.
Ich bemerkte, wie sehr mein geliebtes Frauchen weinte und litt. Ich
wollte ihr mitteilen, wie dankbar ich ihr für alles war. Doch diese
Schmerzen! Dann ein kurzer Schmerz. Es war eine Spritze, die mir ein
wenig Linderung brachte. Endlich konnte ich meinem Menschen die Liebe
zu ihr zeigen. Ein letztes Mal konnte meine Zunge über ihre Hand
streicheln. Ein kleines, zartes, dankbares adieu.
".wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als
lachten alle Sterne auf, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich
auf einem von ihnen lache.."
Dixie
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