Ich wünsche mir ne Wurstzaubermaschine
Eine Geschichte von Roger Sponheimer
Ich wünsche mir ne Wurstzaubermaschine - von Leckerli und Gedankenbefehlen
Hey, Leute - endlich sturmfreie Bude. Lümmele mich auf der Couch und höre Radio Berg. Notgedrungen. Frauchen denkt, ich mag dieses unsägliche Gedudel. Sie hat gesagt, ich solle schön auf die Wohnung aufpassen, und hat das Radio eingeschaltet. Sicher, damit ich den blöden Kläffer nebenan nicht höre. Aber der ist mir wurscht wie eine Portion schnödes Trockenfutter. Nun gut, vertrödele ich eben den Vormittag mit Take That und den Kellys.
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| Ich wünsche mir ne Wurstzaubermaschine |
Mein Kumpel ist da schon von anderem Kaliber. "Kettensägen-Hits" und der heilige Sankt Punk sind angesagt. Ist auch ganz nach meinem Geschmack, und würde den mit Kuschelrock malträtierten Lautsprechern unserer LoFi-Anlage gut zu Gesicht stehen. Leider ist Frauchen Herr(chen) der Fernbedienung. Also Radio Berg... Wobei ich als wohlerzogener Hund exakt zum Takt der Musik hechele.
Unser geliebtes Frauchen ist als Rudelführer nicht nur eine virtuose Radiosendersucherin. Nein, auch der Fernseher gehorcht ihr auf einen Wink mit diesem komischen schwarzen Ding. ‚Fernbedienung' nennt sie das. "Booohh wau wau ey", denke ich manchmal, "mit so einem Teil, da wäre ich König." Wobei ich nicht einmal daran denke, bezaubernde Hundeladies mit einem Pfotendruck herzuzaubern. Mir steht der Sinn nach Profanerem: einem riesigen Steak mit Steaksalat und Steakpommes und Steakmajo.
Nicht, dass ich Grund zur Klage hätte. Konnte gestern abend mal wieder einige Leckerbissen abstauben. "Das Sehnige ist für den Hund", meinte Frauchen. Leider hält sich der Sehnenanteil bei einem Steak der besseren Qualität in viel zu engen Grenzen. Und obwohl ich keineswegs dieses sprichwörtliche Hundleben zu fristen brauche, gelüstet es mich in solchen Momenten nach einem kleinen schwarzen Zauberding, was Würste von der Wohnzimmerdecke regnen lässt.
Was tun? Auf Frauchens Fernbedienung herumtrampeln und auf Wunder warten? Bei Fressnapf anrufen und den größten LKW voller Leckereien direkt ins Haus liefern lassen? Alles schon versucht... Aber seit einiger Zeit habe ich bei der zusätzlichen Futterbeschaffung mit einem genialen Trick durchschlagenden Erfolg. Zumindest bei meinem Kumpel Roger: Ich erteile Gedankenbefehle. Genauso wie in einem seiner Weltraum-Heftchen, die er samstags im Zeitungsladen bei Kaisers kauft.
Ich mache ‚Sitz', strecke hechelnd die Zunge raus und fixiere meinen Freund mit allertreuesten Dackelaugen. Was ihn nach spätestens fünf Sekunden aus seiner feierabendlichen Lethargie reißt und mit unwiderstehlicher Gewalt zur Leckerdose zieht, wo Pansenstängchen und Kaustreifen "HIER" rufen.
Das mit den Gedankenbefehlen funktioniert phantastisch. Nur Frauchen reagiert nicht immer wunschgemäß. Nach dem X-ten Leckerli ist Schluss, und meine stärksten Hirnimpulse verpuffen wirkungslos. Trägt sie etwa aus Angst vor einer Hypnoseattacke aus dem Weltall ein magisches Schutzamulett, was sie auch vor meinen suggestiven Betteleien feit? Der Ausruf "...stopf den Hund nicht immer so mit Lecker voll!" legt diesen Schluss nahe.
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| Bronco und Herrchen |
Na ja, vollgestopft... Mag ich nicht von mir behaupten. Im Mai wurde ich zehn, stecke aber noch immer jeden jungen Hüpfer in den berühmten Sack und wieder heraus. Hey Leute, nennt ihr etwa einen quietschfidelen Wuffel, der letzte Woche am Rhein geschlagene zwei Stunden Frisbeescheibenhinterherhechelrambazamba veranstaltet hat, vollgestopft???
Leckerli ergattere ich aber nicht nur mit meinem Gedankentrick. Die gibt's für Napf leer essen, Tabletten schlucken, mucksmäuschenstill im Restaurant unter dem Tisch liegen und der Dinge mehr (erklärt mir bitte jemand das Wort "Bakschisch-Mentalität"?). Leider leere ich nicht jede Stunde Näpfe oder schlucke Teufelskralle. Das tägliche Leckerli-Festfressen hält sich demnach in Grenzen. Vollgestopft? Quatsch mit Hundekeks...
Gleich kommt mein Kumpel von der Arbeit. Das ist lustig. Ich springe mit angelegten Ohren um ihn herum und räume mit dem Schwanz (so nennt Roger meine Rute) Wasserflaschen und Zeitungen vom Wohnzimmertisch. Was soll ich machen? Ich freue mich auf ihn wie er sich auf mich, seinen liebsten Schatz. Natürlich nach Frauchen. Der verpasst er erst mal nen Schlabberkuss, dann geht's raus auf die Wiese. Fußball, Frisbee, Stöckchen - das volle Programm. Ideal zum Kalorienverbrennen.
Anschließend mache ich es mir auf meinem Hundekissen bequem, und dann denke ich und denke und denke "...he Kumpel bin der ausgehungertste Hungerhund bitte bitte Brot für die Hundewelt hier hinein in meinen Schlund kommet zuhauf ihr herrlichen Dinge...". Dann wird Roger hypnotisiert mit starrem Blick zum Kühlschrank latschen.
Frauchen hat dort eine Riesentüte Wurstreste versteckt.
Bis denne mal - Bronco (der schönste Häferschund aus Hunsheim, Reichshof, nee, der ganzen Welt)
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