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   Mein erster Hund. Ein Rückblick nach 11 Jahren

Eine Geschichte von Anja Oeking

Seitdem ich denken kann ziehen mich Hunde magisch an, seitdem ich laufen kann bewege ich mich auf sie zu. Automatisch, das war schon immer so, sagt meine Mutter. Wenn meine Eltern mich früher fragten „was wünschst Du Dir zum Geburtstag“ kannten sie die Antwort eigentlich schon bevor sie den Satz ausgesprochen hatten „einen Hund, sonst nix“. Es hat aber noch gedauert, genau gesagt musste ich 29 Jahre alt werden, bis mein Traum endlich in Erfüllung ging. Als ich das erste Mal bei meinem jetzigen Mann zu Hause war, zeigte er mir Dias seines ein paar Monate vorher verstorbenen Hundes. Von meiner Liebe zu Hunden hatte ich ihm damals noch nichts erzählt, um so mehr freute es mich anzusehen, mit wie viel Liebe er von seinem verstorbenen Briard sprach.

„Bei dem bleibe ich“, dachte ich damals innerlich grinsend ;). Kurz danach zogen wir zusammen und etwa ein halbes Jahr später sah ich zufällig eine Anzeige in der Zeitung „Briard-Welpen zu verkaufen“. Ich hatte noch nie im Leben einen Briard live gesehen, „wir fahren nur mal gucken“ sagte mein Mann zu mir, im Auto stritten wir schon, wie er denn wohl heißen sollte. Als ich die drei Erwachsenen und acht Welpen-Briards sah war ich vollkommen verzückt, wagte aber nicht einmal nur daran zu denken, dass einer davon einmal unserer sein könnte. Zunächst mussten wir nämlich noch einige Dinge klären, da wir damals beide berufstätig waren.

Mogli
Ein paar Tage später sagte ich strahlend zu meiner besten Freundin „was wollte ich mein Leben lang unbedingt haben?“ Sie guckte mich skeptisch an und antwortete „jetzt sag nicht ihr holt Euch einen Hund?“ „Doch“ rief ich und hielt ihr ein Foto vor die Nase mit einem Briard darauf. Ihr Gesicht sprach Bände „das ist nicht Dein ernst, der ist riesig und außerdem zottelig..“. Meine Freundin war nie eine besondere Hundefreundin und ihre Begeisterung hielt sich in Grenzen, meine nicht. Die nächsten drei Wochen bis zu Abholung waren die längsten meines Lebens.

Das ist jetzt über 11 Jahre her. Ich hatte es ja immer geahnt, jetzt weiß ich es. Für mich ist das Leben mit einem Hund das höchste Glück. Auch wenn nicht jeder meiner Freunde Verständnis hat, wenn ich einen ruhigen Abend zusammen mit meinem Hund einem Treffen in einer Kneipe vorziehe. Wenn ich nicht mit den Kindern ins Freibad kommen kann, weil ich den Hund nicht den ganzen Tag alleine lassen will. Wenn ich eine Einladung zum Kaffee nachmittags ablehne, weil Mogli schon den Vormittag alleine war. Wenn ich darauf verzichte mit in den Freizeitpark zu kommen, weil dort Hundeverbot ist.

Selbst mein Mann guckt mich manchmal verständnislos an, aber wenn mein Hund vertrauensvoll seinen Kopf auf meinen Fuß legt, wenn ich spüre wie bedingungslos er mich liebt ist das für mich ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Wenn ich sehe wie er in vollem Tempo über eine Wiese läuft, dann geht es mir gut. Ich brauche kein Yoga oder autogenes Training, mein Entspannungsprogramm heißt Mogli. Ein Hund ist mit so wenig zufrieden, im Prinzip reicht ihm eine täglich voller Futternapf und immer bei mir zu sein. Es ist ihm egal wer Du bist und was Du hast, das ist so grundlegend ehrlich, wie man es nie bei einem Menschen finden wird.

Es gibt so viele Menschen die Hunde nicht mögen und das ist auch vollkommen in Ordnung so. Niemand muß meinen Hund mögen, aber ich möchte, dass andere Menschen akzeptieren, dass ich ihn mag. Wenn er friedlich neben mir herläuft und ein Spaziergänger schleudert ihm oder mir  Worte wie „Mistvieh“ entgegen werde ich zur Furie. Dann kenne ich mich selbst nicht wieder, solche Gefühle kannte ich vorher nie. Wenn mich jemand besuchen möchte der Hunde nicht mag und davon ausgeht, dass ich meinen Hund wegsperre, dann sage ich, dass ich keinen Besuch mag, der meinen Hund nicht akzeptiert, basta!

Mogli war drei Jahre als unser erstes Kind geboren wurde, dreieinhalb Jahre später das Zweite. Nie gab es auch nur eine Sekunde, in der ich die Kinder vor dem Hund hätte schützen müssen. Ich traue ihm 100 %, mehr als vielleicht manchem Erwachsenen. Er hat eine Engelsgeduld mit den Kindern, von der ich mir eine Scheibe abschneiden könnte. Sehr interessant finde ich auch, dass er anscheinend immer mehr von dem versteht was wir sagen, je älter er wird, manchmal kann man sich echt nur wundern.

Oft fragen mich Leute wie das denn so ist mit Hund und sie würden ja überlegen sich auch einen zuzulegen. Gerade bei Familien mit Kindern rate ich den Leuten sich das gut zu überlegen. Ich finde es reicht nicht Hunde nur zu mögen, um es mit den damit verbundenen Verpflichtungen und Unannehmlichkeiten aufnehmen zu können. So aufzunehmen, dass es nicht irgendwann lästig wird. Wenn ich einen Hund sehe, ist es als ginge mir das Herz auf, so muß es sein finde ich, alles andere reicht nicht, nur mögen ist zu wenig. Vor fünf  Wochen ist meine Mutter verstorben. Sie war lange Zeit sehr krank, in dieser Zeit und als sie gestorben ist war der Hund mir eine große Stütze. Alleine seine schweigende Anwesenheit war für mich oft ein riesen Trost.

Persönlich habe ich das Gefühl, unsagbar viel von meinem Hund gelernt zu haben. Wie viele Regenbögen hätte ich niemals gesehen, weil ich zu Hause auf der Couch gesessen hätte anstatt spazieren zu gehen? Wie viele Menschen hätte ich niemals kennen gelernt? Sei es virtuell in unzähligen Hundeforen oder sei es real bei den vielen vielen Spaziergängen? So viel habe ich ihm zu verdanken, nicht zuletzt meinen Nick-name ;). Dieses Jahr wird er 12 Jahre alt. Ich weiß nicht wie lange ich ihn noch habe, ich genieße jeden Tag mit ihm.

Lieber Mogli, ich hoffe Du bleibst noch ein paar Jahre bei uns!!!


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