Auf den Hund gekommen
Eine Geschichte von Gabriele Bessen
Am ersten Dezember des vergangenen Jahres bin ich auf die Welt gekommen. Wir sind eine richtig große Familie. Mama Heather und Papa Arthos haben sich richtig Mühe gegeben, außer mir, ich heiße übrigens La Caramilla, wurden meine zwei Brüder, Lakritze und Lancer sowie meine Schwestern Linda Lu, Luna May, La Cremi und La Vanilli geboren. Inzwischen sind wir schon sechs Wochen alt, haben etwa die Größe eines Meerschweinchens und entwickeln uns jeden Tag ein wenig mehr.
Wir leben in einer großen Dackelzüchterfamilie. Bei uns ist immer etwas los und wir verstehen uns alle prächtig. Unsere Pflegemutter kümmert sich rührend um uns und es fehlt uns an nichts. Pflegemutter Barbara hat uns erzählt, dass wir in etwa drei Wochen umziehen werden, in eine menschliche Familie. Dann bekommen wir ein neues Zuhause und können die große weite Welt um uns herum erkunden.
In letzter Zeit haben wir viel Besuch von fremden Menschen bekommen, die uns besuchen, mit uns spielen und sich dann ein kleines Hundchen für ihr neues Zuhause aussuchen. Bis zum letzten Wochenende habe ich niemanden gefunden, zu dem ich hätte ziehen wollen. Ich habe mich dann in unser Welpenkörbchen zurück gezogen und so getan, als schlafe ich. Kleine Hunde brauchen schließlich ihren Schlaf, das Leben kann ganz schön anstrengend sein.
 |
| Wir sind etwa 40 cm groß und wiegen knapp 2 kg. |
Am letzten Sonntag kamen drei Erwachsene zu uns. La Cremi, Marci aus einem anderen Wurf, und ich waren noch nicht vergeben. Lange unterhielten sich die Erwachsenen mit Pflegemutter Barbara über ihren Dackel, der genau an Weihnachten gestorben war. Es war ihnen zu still im Haus und sie waren auf der Suche nach einem neuen Familienmitglied. Ich spitzte meine Öhrchen. Sie lebten in einem Haus mit Garten, ganz in der Nähe. Einen Garten kannte ich schon. Als sie aber erzählten, dass nebenan eine griechische Hirtenhündin und auf der anderen Seite zwei Schäferhündinnen lebten, wurde ich neugierig. Bisher hatte ich ja nur Dackel kennengelernt.
Als ich aus unserem Körbchen krabbeln wollte, sah ich, dass das Frauchen Marci auf dem Arm hatte und ganz entzückt von ihr war. Mit ihrem schwarz-roten Fell sieht sie auch bezaubernd aus, das muss ich zugeben. Nun hieß es entweder - oder. Ich schaute das Herrchen an, das Herrchen blickte zu mir - es war Liebe auf den ersten Blick. Obwohl ich hundemüde war, hieß es jetzt - handeln. Ich kletterte aus dem Körbchen - ups, da war die Blase doch vor Aufregung ganz voll - uns marschierte zielstrebig auf das Herrchen zu.
Ach, war das schön, mit dem zu kuscheln. Ich setzte meinen ganzen weibliche Charme ein und blickte ihn an. Er nahm mich sogleich in die Arme und schmuste mit mir. Mit letzter Welpenkraft kuschelte ich mich in seine Armbeuge und bevor ich zu meinem Mittagschläfchen überging, bekam ich nur noch mit, dass ich die Auserwählte war! Drei Wochen bleibe ich nun noch bei Barbara, meinen Eltern und Geschwistern und dann darf ich zu meinem neuen Frauchen und Herrchen ziehen.
Ich heiße Marci und war eigentlich Frauchens Favorit. Cara hatte gewonnen und ich konnte ihr noch nicht einmal böse sein. So kess wie sie ist, bin ich nicht. Wir sind Wurfschwestern, wir haben den gleichen Vater, aber verschiedene Mütter.
Mehrere nette Leute haben sich für mich interessiert, aber unsere Pflegemutter Barbara fand niemanden, dem sie mich so richtig anvertrauen wollte. Irgendwie fand ich das ganz schön traurig, dass alle vergeben waren, nur mein Schicksal hing völlig in der Luft. So hässlich bin ich doch gar nicht?!?
Klar wäre es auch schön, bei meinen richtigen Eltern Tinchen und Arthos zu bleiben, aber ich will doch auch die große weite Welt kennen lernen. Tinchen und Heather können mich auch nicht trösten, denn meine Wurfschwestern und -brüder verlassen uns so nach und nach. Jedesmal, wenn ein Welpe abgeholt wird, trösten sich die beiden gegenseitig und sind so mit sich selbst beschäftigt, dass niemand von meinen Sorgen Notiz nimmt. So müssen sich Menscheneltern fühlen, wenn ihre erwachsenen Kinder ausziehen.
Caras zukünftige Hundeeltern besuchten täglich unsere Homepage, denn dort gab es immer Neuigkeiten und neue Fotos von uns, wenn wir eine Woche älter wurden. Caras Frauchen hatte mich nicht vergessen und so langsam reifte ein Gedanke in ihr. Was sprach eigentlich gegen zwei Hunde? Viele in ihrem Bekanntenkreis hatten ihre Hunde im Doppelpack. Herrchen hatte die Idee schon länger. Aber er wußte genau, dass Frauchen ihre Entscheidungen reiflich überlegte und dass es wenig Sinn hatte, sie überreden zu wollen. Auch Pflegemutter Barbara hatte diese Idee gehabt und hoffte jedesmal, wenn das Telefon klingelte, dass es eine Nachricht für mich wäre. Am letzten Sonntag war es dann soweit. Caras Frauchen hatte am Samstag eine Mail geschickt und darum gebeten, mich bis Sonntag zu reservieren, da sie mit dem Gedanken spielte, auch mich zu sich zu holen. Cara und ich konnten vor Aufregung gar nicht schlafen.
Am Sonntag vormittag hielt es auch Pflegemutter Barbara nicht mehr aus. Sie nahm das Telefon und rief an. Das Gespräch dauerte und dauerte, warum müssen Menschen immer so lange telefonieren?? Cara lief ganz aufgeregt hin und her und ich versuchte, an Barbaras Gesichtsausdruck abzulesen, wie es weiterging. Vor Aufregung fing ich an zu hecheln und schaute Barbara mit großen fragenden Augen an. Sie strahlte über das ganze Gesicht, nickte erst mir, dann Cara zu und verabschiedete sich mit einem lachenden "Bis Samstag."
Nun sind die Würfel gefallen. Cara und ich können zusammen bleiben. In drei Tagen werden wir unsere große Dackelfamilie verlassen und in eine aufregende und spannende Zukunft blicken.
Wir sind da !! Während Cara und ich ungeduldig darauf warteten, von Frauchen und Herrchen abgeholt zu werden, litten unsere beiden Mamas Höllenqualen. Ein Hundchen nach dem anderen wurde abgeholt und es wurde immer stiller um uns herum. Endlich kamen sie. Pflegemama Barbara machte noch ein paar Abschiedsfotos, packte unser Fresschen für die nächsten zwei Tage und unser Lieblingsspielzeug ein und dann ging es los. Frauchen nahm uns in einem gut gepolsterten Körbchen auf den Schoß. Was wir alles unterwegs sahen!! Ich konnte gar nicht genug gucken und krabbelte immer wieder bis an den Rand des Körbchens, damit mir ja nichts entging. Cara, ein Sensibelchen, war ängstlich, zitterte und verkroch sich in die äußerste Korbecke. "Hab dich nicht so!" flüsterte ich ihr zu. "Autofahren ist geil! Alles scheint zu fliegen."
Hin und wieder wagte sie sich etwas vor, zog sich aber dann schnell wieder zurück. Frauchen streichelte sie, redete ihr gut zu und mit der anderen Hand passte sie auf, dass ich nicht während der Fahrt aus dem Körbchen sprang.
Endlich angekommen, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr raus. Frauchen setzte uns auf eine kühle, grüne Fläche. Wir hatten so etwas noch nie gesehen, denn wir waren ja noch nie draußen. Mittlerweile, nach zwei Tagen, wissen wir, dass das ein Garten ist, den wir jeden Tag ein Stückchen mehr erobern. Nach dem Fressen, nach dem Schlafen und nach dem Toben dürfen wir immer ein paar Minuten raus, und es klappt hin und wieder schon ganz gut, dass wir unser Geschäftchen draußen machen. Auf vertrockneten Zweigen und alten Blättern lässt es sich so schön rumknautschen. Allzu lange dürfen wir noch nicht raus, denn unser Fell wärmt noch nicht ausreichend und Frauchen passt auf, dass wir uns nicht erkälten.
Was gab es in dem großen Haus alles zu erkunden! Und da wir erst völlig stubenrein werden müssen, dürfen wir auch noch nicht überall rein. In der Küche ist unser Tageskörbchen, unser Fress- und Wassernapf und natürlich Spielzeug. Tagsüber spielen wir viel, im langen Flur toben wir und können hin- und her rennen, bis wir dann ins Körbchen gehen, um uns für die nächste Runde auszuruhen.
Aber alles dürfen wir nicht, das haben wir schon gemerkt. Die Stuhlbeine lassen sich so wunderbar beknabbern, auch die Teppichkanten fordern richtig dazu heraus, da passt Frauchen immer sehr genau auf und gibt und ein Spielzeug, damit wir abgelenkt werden.
Abends dürfen wir mit ins Wohnzimmer. Auf unserer Kuscheldecke läßt es sich herrlich schlafen. Ganz interessant ist so ein großes Ding mit bunten Bildern, die sich bewegen und Töne von sich geben. Das ist ein Fernseher, haben wir gelernt. Aber noch reizvoller sind auch da die Teppichkanten, die weit herunter hängende Tischdecke und das Sofa, auf dem Herrchen abends liegt. Herrchen hat einen Vollbart, an dem es sich so wunderbar knabbern läßt und auch seine längeren Haare lassen sich herrlich verwuscheln.
Nachts schlafen wir in unserem Körbchen vor Frauchens Bett. Klar haben wir am ersten Abend gehofft, mit im großen Bett schlafen zu dürfen. Bittend standen wir mit den Vorderpfoten auf der Bettkante und setzten einen treuen, herzerweichenden Dackelblick auf, ohne Erfolg. Nach unserer ersten Nacht entdeckten wir Sonntag früh, morgens um halb acht, wie toll wir unter dem großen Bett fangen spielen können. Und los, unten durch, und außen wieder rum. Das ging fast eine Stunde lang so, bis wir zu Frauchens und Herrchens Erleichterung so müde waren, dass wir alle noch einmal eine Stunde schlafen konnten.
« zurück zur Übersicht weiter »
|
| IHR HUNDE-ERLEBNIS |
Möchten Sie gern Ihr Hunde-Erlebnis oder Ihre Hundegeschichte veröffentlichen?
Schicken Sie uns Ihre Geschichte per E-Mail - bei
entsprechender Eignung wird Ihre Geschichte veröffentlicht.
|

| UNSER BUCHTIPP |
Kynos Hundegeschichten

Eine bunte Mischung von Erlebnissen, mal heiter, mal traurig, mal spannend
oder tragisch, aber eines immer auf jeden Fall: Mitten aus dem Leben... mehr
|
|