Darf ich mich Ihnen vorstellen: mein Name ist Franz-Josef.
Eine Geschichte von Astrid Freidinger
Wie, Sie finden das dieser Name zu pompös für so einen kleinen Kerl wie mich ist ? Zum einen habe ich schon ein Stockmaß von 36 cm. Frauchen redet immer in der Sprache, die sie von ihren Pferden her kennt, also Stockmaß. Aber eines ist ja wohl sicher : ein Hund von Welt, und das bin ich schließlich, sollte etwas solideres haben wie z.B. Puschelchen oder Fritzilein. Ich bin schließlich Ungar und Deutscher. Jawohl!
Bis zu dem Zeitpunkt an dem ich in Deutschland angekommen bin weiss meine Familie nichts von mir. Ich schon, aber ich kann doch weltmännisch schweigen, und ausserdem war ich ja noch so klein, dass ich wohl nicht alles kapiert habe. Jetzt bin ich schon sehr erwachsen mit meinen sieben Monaten, und habe meine Familien schon gut erzogen. Zwei lange Autofahrten, daran kann ich mich erinnern. Die erste war mit vielen Hunden von Ungarn bis Deutschland und die zweite ging dann wohl endlich nach Hause. Und da bin ich jetzt.
Wenn Frauchen, auch manchmal Astrid genannt, erzählt, dass ich aus einem ungarischen Tierheim komme, kann ich zwar nichts damit anfangen, habe aber immer ein blödes und mulmiges Gefühl. Aber das ist Vergangenheit. Jetzt wohne ich im Kraichgau und hier ist es toll.
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Herrchen, ab und zu hört er auch auf den Namen Uwe, hat mich von vielen anderen Hunden ausgesucht und nach Hause gebracht. Das ist ihm gar nicht leicht gefallen, ich glaube er hätte ganz gerne alle mitgenommen. Aber irgendwie hat dann bei uns die Chemie ganz besonders gestimmt.
Astrid kommt ins schwärmen wenn sie von mir spricht. Kunststück, das kann ich gut verstehen. Ich bin doch so brav, und war ungeheuer schnell stubenrein. Die kleinen Maleure am Anfang habe ich auch ganz diskret unter den Esszimmertisch auf dem gemusterten Teppich versteckt. Ich habe auch von Anfang an die Nächte durchgeschlafen, was auch nicht schwer war. Wer steht von diesem weichen und warmen Nachtlager schon freiwillig auf, man müsste ja doof sein.
Was Frauchen auch fasziniert war, dass ich ihr von Anfang an nicht von der Ferse gewichen bin. Ist ja auch leicht zu erklären. Zum einen war alles neu, und wie schnell verläuft man sich und ist wieder allein, zum anderen will ich diese Familie behalten. Ganz sicher!
Das mit der Ferse hat für mich den Vorteil, dass ich auf den Feldern auch mal ohne Leine rennen und die Vögel jagen kann, solange ich auf Zuruf sofort wieder komme, was ich als verständiger Hund natürlich mache. Nur manchmal höre ich den Ruf eben nicht und muss dann zur Erinnerung für ein oder zwei Tage nur an der Leine laufen, was mir allerdings nicht gefällt, also was macht Hund von Welt ? Kommen wenn Astrid ruft oder pfeift, ist doch klar.
Ich habe auch eine ganz wichtige Arbeit im Büro. Kontrolle der Papierkörbe, ob da nicht was wichtiges weggeworfen wurde. Ich lese die Eimer glatt leer. Leider erntet man nicht immer Verständnis dafür. Aber lustig ist es schon, wenn sie mir hinterherjagen um das Papier wieder zu bekommen. Noch besser ist es wenn Besuch da ist, und ich an Hand eines Slips oder einer Socke beweise, dass ich ganz alleine in die Waschküche gehen kann. Soviel Selbstständigkeit wird allerdings nicht immer gerne gesehen. Versteh´ ich gar nicht, der Besuch lacht immer. Ehrenwort!
Ein anderes Thema sind die Pferde. Wie heißen sie noch? Ach ja, Caprice und Angel. Du liebe Güte sind die riesig. Warum nennt Frauchen die immer : meine Kleine und mein Zwergle? Macht aber einen tierischen Spaß auf dem Hof. Da gibt es einen total interessanten Misthaufen mit vielen Rossäpfeln. Ihr seht, ich weiss schon wie das heißt. Wenn Stefan, der Schmied da gewesen ist, liegen da ab und zu mal auch lecker Hufabfälle. Ist ja alles Natur, Frauchen sieht das ganz gelassen.
Wißt Ihr eigentlich wie super man im Stroh rumtoben kann ? Oder wie toll Pferdebrot oder Maiskolben schmecken ?
Und dann der Reitverein. Da gibt es nicht nur Pferde, nö, die haben auch alle Hunde. Da kann man tolle Freundschaften schließen und toben und rennen und balgen.
In dem Verein gefällt es mir so gut, dass ich das mit dem Zuruf..... aber lassen wir das, das hatten wir schon.
Aber auch so doofe Sachen wie Strassen, Traktoren und Lastwagen gibt es, vor denen mich immer bei Astrid verstecken möchte. Trotzdem gehen wir oft an der Strasse spazieren, damit ich mich daran auch gewöhne. Ein bisschen gruselt mich das schon, aber wenn ich dann ganz tapfer gewesen bin bekomme ich auf alle Fälle ein Leckerli.
Letztens saß Frauchen wieder vor der Kiste die sie Computer nennt. Soviel habe ich mitbekommen, sie wollte in etwa rauskriegen welchen Mischung ich sein könnte. Warum eigentlich, ich bin doch eindeutig ein Hund, und ein ganz besonders männlicher noch dazu. Natürlich nicht so ein stolzer Pinkel wie Mozart. Das ist der Jack-Russel-Rüde von Frauchens Bruder. Aber dem habe ich schon beim zweiten Treffen die Ohren mit meinen Welpenzähnen gepirct. War nur `ne kleine Rache für den Schreck den er mir beim ersten Treffen eingejagt hat. Na, Astrid saß mal wieder vor der Kiste und suchte, und behauptet jetzt wirklich, das sie was gefunden hat. Ich soll also ein Kromfohrländermischling sein. Aha!
Fotos und Charakter dieser Rasse sollen absolut mit mir übereinstimmen. So, so ! Aber ich bin trotzdem Franz-Josef, aber nur wenn Astrid energisch sein will. Meistens nennt sie mich Frani oder Frani Franini. Der eigentliche Name Franjo, der ja eine Abkürzung von Franz-Josef ist, fällt selten. Es ging ihr wohl absolut auf den Keks, dass sie alle Leute auf die Namensgleichheit mit einem Herrn "Weiss-der-Geier-wer-das-ist" angesprochen haben. Kann ich verstehen. Ich pass auf meine Futterschüssel jedenfalls besser auf wie der auf seine Konten.
Ach da gibt es noch Oma und Opa. Das sind die Eltern von Astrid. Der Opa holt mich morgens immer zum Gassi gehen ab. Oder wie es heißt : Du setzt mal wieder die ganze Ortschaft unter Wasser. Ich kann doch schon das Bein heben. Ganz Mann.
Ab und zu muss ich zwar zwischendrin noch die Haltung korrigieren und das Bein wechseln, wegen der einseitigen Belastung, aber es klappt meistens hervorragend.
Nach dem Gassi gehen und dem Pferdefüttern muss ich dann Oma wecken. Das ist gar nicht so einfach. Ich darf doch nicht ins Bett. Also muss ich schnell reinspringen, bei der Oma mal schnell versuchen diagonal mit der Zunge übers Gesicht fahren und dann sofort wieder raus springen. Für diese erschöpfende Arbeit bekomme ich dann zum Frühstück ein kleines Stück Honigtoast.
Wenn Opa dann die Ställe sauber macht, geh ich wieder heim.
Dann gibt es noch die Diana und den Jona. Diana ist die Tochter des Hauses. Lieb und für jeden Blödsinn zu haben. Die möchte mich wenigstens nicht so doll erziehen.
Der Jona, ihr Freund, ist klasse. Die ultimative Verbindung zum Nutellaglas, er hat mich sogar mal heimlich ein bisschen naschen lassen. Nennt man so was dann Nutellamann? Diana und Jona haben mir auch Kullerchen beigebracht. Und mit was ? Nö, ich petze doch nicht.
Dann ist da noch Albert und Mathilde. Das sind die Eltern von Herrchen. Die haben auch einen Hund. Chicco, so ein etwas älterer, bequemer, aber sehr selbstgerechter Herr. Astrid sagt immer, der kläfft zuviel. Schade, wenn der bellt, und ich mitmachen möchte pfeift sie mich doch tatsächlich zurück.
Aber ´ne tolle Futterschüssel hat der, und gar keine Chance wenn ich da mal dran will. Die pfeifen den nämlich zurück wenn er meckert und goschert. Ätsch.
Also, mein Leben ist hier zwar total verantwortungsvoll, aber ich fühl mich doch richtig wohl. Langeweile kommt jedenfalls nicht auf. Gruss Franz-Josef
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