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   Ein Spaziergang mit Frauchen

Eine Geschichte von Jennifer Höhle

Tick, Tack, Tick, Tack… jetzt… jetzt ist es soweit! Ich stelle mein Ohren auf, habe die Augen aber noch geschlossen. Versuche mich auf Geräusche zu konzentrieren, die auf ein Kommen meines Frauchens deuten könnten. Denn jetzt ist es soweit – das Highlight des Tages: „Gassizeit!“ Ich öffne meine Augen einen Spalt weit und stelle meine Schlappohren so hoch es geht – aber noch ist es still.

Dabei spür ich in meinem ganzen Körper, dass es genau jetzt Zeit zum Rausgehen ist. Wuff, dann stell ich mich halt erst mal vor, ihr wisst ja schließlich noch gar nicht wer ich bin. Wwwwowwoww, meine Besitzerin ruft mich immer mit einem Geräusch mit ganz hohen Tönen, dass Willi heißt. Ja das kann ich mir merken. Ich bin auch nicht mehr der Jüngste, schon ganze 11 Jahre alt. Da fällt mir das Laufen gar nicht mehr so leicht. Und was hab ich noch von Frauchen gehört, was ich bin? Ach ja ein Mischling – aber was das bedeutet weiß ich nicht.

Willi
Tip tap, tip tap… meine Ohren spitzen sich wieder, ich höre Frauchen, sie kommt – endlich, wuff! Ich höre viele hohe wohlklingende Worte, dabei kniet meine Menschchen sich zu mir nieder und krault mich am Bauch – ja, das mag ich besonders gerne und rolle mich auf den Rücken, damit auch keine Stelle vergessen wird. Auf einmal hört das Kraulen auf und Frauchen steht auf. Ich rolle mich wieder auf den Bauch. Ich höre und sehe wie sich Frauchen mit der Hand auf das Oberbein klatscht, dass heißt, dass es losgeht – wuff, endlich raus! Die Tür öffnet sich und der frische Wind weht rein. Wäre ich noch jünger, würde ich schon längst draußen toben, aber ich brauch immer ein bisschen Zeit zum Aufstehen. Aber jetzt kann es losgehen!

Ich halte meine Nase in die Luft. Überall tolle Gerüche. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst schnuppern soll. Erst mal zum Laternenpfahl. Ah, der Große Schwarze war vorhin hier und wurde mal wieder auf Diät gesetzt. Was bin ich froh, dass ich das nicht erleiden muss! Ich schaue kurz zu Frauchen auf, aber sie schaut sich nur die Gegend an, während ich mich über die neusten Geschichten in der Hundewelt kundig mache. Wie können Menschen nur so interessante Dinge ignorieren? Menschen sind schon komisch, wuff. Und weiter geht’s in den Park. Mit der Nase am Boden erkunde ich mir den Weg. Wie finden Menschen sich nur zurecht, ohne sich den Weg zu erschnuppern? Merkwürdig, dass die sich da nicht verlaufen. Naja, aber Frauchen hat ja mich, ich zeige ihr den Weg, damit sie nach dem Spaziergang auch wieder nach Hause findet. *schnupper* Oh, was ist denn das unter den Blättern? Das riecht so gut. Ein Stück Brötchen *schwanzwedel*! Kurzer Blick zu Frauchen – aber sie schaut einem Eichhörnchen hinterher.

Lecker, schnell runter damit, bevor meine Besitzerin was merkt. „Pfui, was frisst du denn da? Pfui ist das, gib her!“ höre ich. Aber zu spät, das schmackhafte Stück habe ich mir schon längst gesichert. Wie können Menschen solch leckeres Futter einfach nicht beachten. Schlimmer noch, sie sagen pfui dazu, als wenn es etwas Schlimmes wäre. Menschen sind schon komisch, denke ich mir beim Weiterlaufen. Langsam komm ich wirklich außer Atem. Ich habe ja schon erwähnt, dass ich nicht mehr der Jüngste bin. Ich stupse Frauchen mir der Nase an, um ihr mitzuteilen, dass wir wieder zurückgehen können. Sie streichelt mir über den Kopf und sagt: „Na komm, dann gehen wir mal wieder nach Hause!“ Auf dem Rückweg markiere ich noch schnell jeden Laternenpfahl, um allen anderen Hunden mitzuteilen, was ich heute erlebt habe. Und dann stehen wir auch schon wieder vor der Haustür. Während mein Mensch die Tür aufmacht, erfrische ich mich mit kühlem frischem Wasser, was nach jedem Spaziergang auf mich wartet. Jetzt aber rein ins Warme. Ich rolle mich unter dem Tisch zusammen, während mir langsam die Augen zufallen. *gähn* Was morgen wohl passiert?


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