Liebeserklärung an meine Alte Dame
Eine Geschichte von Gabi Grube
Bekommen habe ich sie, als sie 5 Wochen alt war. Viel zu früh, hat man sie von der Mutter weggenommen. Ich hatte auf eine Zeitungsannonce geantwortet und ihre Besitzerin kam mit zwei Welpen bei mir vorbei. Ich dachte sie wolle sie mir nur zeigen, aber Irrtum. Als ich ihr sagte, ich würde mich dann für den weiblichen Welpen entscheiden, ließ sie ihn gleich da. So hatte ich es mir eigentlich nicht vorgestellt. Ich war der Meinung mindestens neun Wochen sollten die Welpen bei ihrer Mutter bleiben. Aber wenn ich sie nicht genommen hätte, dann wäre sie wohl bei jemand anderem gelandet und wahrscheinlich auch viel zu früh.
Sie war ziemlich verzweifelt und weinte Nächte lang nach ihrer Mama. Erst als ich auf die Idee kam ein Stofftier der Kinder zu missbrauchen, es aufzuschneiden und einen alten Wecker, von meiner Oma, den man aufziehen konnte, und der ganz laut tickte, in dieses Stofftier zu tun bekamen wir Nachts wieder Ruhe. Sie lag mit dem Kopf auf diesem Stofftier und beruhigte sich, als sie das Ticken des Weckers hörte und schlief ein.
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| Die alte Dame |
Sie ist ein Mischling, Schäferhund und Collie und wer weiß, was sonst noch drin ist. Sie ist kniehoch und hat ziemlich viel Fell. Das sie regelmäßig in meiner Wohnung verteilt. Mein Staubsauger ist nach zweimaligem Saugen voller Hundehaare. Sie ist ein richtiger Senfhund. Jeder hat seinen Senf dazu gegeben. Sie hat einen Kopf, wie ein Fahrradsattel und wenn sie ihre Ohren aufstellt sieht sie aus wie eine Fledermaus.
Damals als ich sie bekam, war ich mit ihrer Erziehung ziemlich überfordert. Ich hatte ja selbst erst meinen jüngsten Sohn bekommen, er war damals 5 Monate alt. Also lief sie so mit, ohne ganz viel Erziehung. Das bekam ich dann auch oft zu spüren. Als sie älter wurde, hat sie dann jeden Tag ein neues Loch in den Zaun gebuddelt und ist ausgebrochen. Es gehörte zu meinen täglichen Pflichten, jeden Tag dieses Loch zu suchen und wieder zu schließen. Damit sie am nächsten Tag wieder ein neues Loch buddeln konnte. Mit ihr Spazieren zu gehen, war ein Kraftakt sonders gleichen, sie zog an der Leine was das Zeug hielt. Wenn man dann nach Hause kam, war man fix und fertig und am nächsten Tag hatte man mit Sicherheit Muskelkater in den Armen.
Zu Postboten, hatte sie ein sehr gestörtes Verhältnis. Sie hat nicht richtig gebissen, aber wohl sehr eindrucksvoll nach dem Postboten geschnappt. Jedenfalls hatte das zur Folge, dass wir ein Jahr lang die Post von der Poststelle abholen mussten, weil sich der Postbote weigerte uns die Post zu bringen. Auch heute noch kommt ihre Abneigung gegen die Post durch, wenn sie ein gelbes Auto sieht, wird sie wieder jung und kläfft und droht, was das Zeug hält.
Die ersten fünf Jahre lang, hab ich oft überlegt, ob ich sie nicht weggeben sollte. Ich liebte diesen Hund über alles, aber sie brachte mich mit ihrer unerzogenen Art, die ich mir ja selbst zuzuschreiben hatte, oft an den Rand der Verzweiflung. Aber dass was sie mir gab, war mehr, als die Unarten die sie an den Tag legte. Sie war immer für mich da. Sie begleitete mich auf vielen Spaziergängen und verstand mich ohne Worte. Sie war aber nicht nur für mich da, auch für die Kinder. Sie ließ sie nie aus den Augen und beschützte sie. Einmal als die beiden jüngsten ein Abenteuer erleben wollten, und von zuhause wegliefen, ist sie immer bei den Kindern geblieben.
Über zwei Stunden haben wir nach den beiden Jungs gesucht, ich war so verzweifelt und kurz davor die Polizei anzurufen, als mir einfiel, dass ich ja nur nach dem Hund, der ja auch verschwunden war, pfeifen musste. Das tat ich dann auch, und siehe da, sie hatte die Kinder nicht allein gelassen. Sie waren in einen nahe gelegenen Wald gelaufen und meine alte Dame hatte die Kinder begleitet. Als ich nach ihr pfiff, kam sie aus dem Wald gelaufen und zeigt mir an wo die Kinder sind. Wir haben sie heulend und völlig fertig wieder gefunden.
Sie ist in der Lage, meine Stimmungen zu verstehen, wenn Menschen mein Haus betreten, die ich in Wirklichkeit nicht mag, dann fühlt sie das und kann richtig garstig werden. Ich muss dann immer aufpassen, dass sie nicht nach denen schnappt. Lauthals versucht sie dann diese Menschen zu verbellen. Wenn sie das Gefühl hat, es ist in Ordnung, dann legt sie sich in Ihren Korb. Wenn sie die Menschen mag, dann geht sie zu den Menschen hin und bettelt um ihre Aufmerksamkeit. Sie ist immer ein sehr guter Berater für mich. Je nach dem wie sie sich verhält, weiß ich die Menschen, die hier her kommen, einzuschätzen. Ich achte sehr darauf.
Wir beide haben jetzt im April schon fast 17 Jahre miteinander verbracht. Ich liebe sie sehr, obwohl sie jetzt im Alter schon manchmal sehr anstrengend ist. Sie bellt sehr viel und hat eine sehr keifende Stimme, dass nervt schon so manches mal. Sie ist fast taub und hat Arthrose und kann nicht mehr so gut laufen. Wir gehen nur noch kurze Strecken miteinander. Aber sie will immer noch mit mir spielen und wenn ich morgens, mittags und abends mit ihr spazieren gehe, dann freut sie sich immer noch sehr. Heute zieht sie nicht mehr an der Leine. Sie läuft sehr langsam und manchmal bleibt sie stehen und schaut einfach nur so in die Ferne. Als wenn sie mit ihren Gedanken ganz woanders ist.
Weil wir jetzt schon so lange zusammen sind, verstehe ich ihre Art mit mir zu kommunizieren sehr gut. Ich weiß immer was sie von mir will und was sie mir sagen möchte. Jeden Tag bekommt sie Aspirin und Ginsengtonikum mit ins Futter. Damit sie noch lange lebt und keine Schmerzen hat. Ich weiß aber genau, bald wird der Tag kommen, an dem ich mich von ihr trennen muss. Ich wünsch mir nur, dass es nicht so bald ist. Ich liebe sie wirklich sehr, meine alte Dame, aber gerade was man so lange geliebt hat, muss man auch eines Tages in Liebe gehen lassen.....
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