Champ… Mein erster und letzter(?) Tag bei "Agility"
Eine Geschichte von Sabine und Johannes Rübsteck
Hallo, liebe Leser, ich bin es wieder, Eurer Champ! Mein Hundeleben ist immer noch sehr aufregend und spannend. Seit einer Woche bin ich ein geprüfter "Begleithund"! Ihr lest richtig, ich habe die Begleithundprüfung mit Bravur bestanden. Johannes und Sabine waren mächtig stolz auf mich. Mit 18 Monaten war ich der jüngste Hund bei dieser Prüfung und habe ich meinem Namen alle Ehre gemacht. War natürlich ein Klacks für mich, das weiß - außer Euch - aber keiner!!
Jetzt haben meine Beiden etwas Neues für mich gefunden. Es heißt "Agility"! Was das bedeutet, wusste ich bis dato noch nicht. Hörte immer nur, wie Sabine sagte: "Champ, mit der Begleithundprüfung ist Deine Schulzeit noch nicht zu Ende. Wir werden Dich zu Agility anmelden"! Ach Du Schreck, dachte ich, was kommt denn jetzt wieder auf mich zu? Die lassen mich aber auch nicht in Ruhe.
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| Der 1. Agility-Tag war der 11.11.! Für die Kölner: Karnevalsbeginn! |
Dann war es soweit, der Agility-Tag war gekommen. Da es jetzt Herbst ist, fand dieser Kurs in einer großen Halle statt. Bei dem Kurs war ich der Neuling, alle anderen Hunde hatten schon viele Stunden hinter sich. Ich wurde also von den Hunden angekläfft und beschnuppert! Einer meinte sogar: "He, Kumpel, bist Du neu"? Blöde Frage dachte ich, das sieht der doch, oder nicht? Ich antwortete: "Natürlich bin ich neu hier und mit Abstand der beste Hund! Ich bin ja ein geprüfter Begleithund"! "Eingebildeter Pinkel", antwortete der Hund und drehte sich um! Na, dachte ich, dem werde ich es schon zeigen.
Dann schaute ich mich in der Halle um. Überall standen eigenartige Dinge herum: Hürden, eine Wippe, ein Steg, eine hohe Wand, ein Tisch, ein Tunnel, ein Schlauch, ein Reifen usw. Was sollte das nur bedeuten, dachte ich.
Schon bald wurde mir bewusst, was das alles zu bedeuten hatte! Der erste Hund wurde aufgerufen. Sein Frauchen trat mit ihm in die Mitte der Halle und dann ging es auch schon los. Das Frauchen rief: "Hürde", und der Hund sprang über die Hürde. Nach und nach wurden alle Dinge beim Namen genannt und der Hund sprang drüber, kroch durch den Tunnel, lief die Wand hoch, lief den Steg hoch und sprang auf den Tisch. Boooaaarrrr, dachte ich, auf den Tisch springen, dass darf man ab jetzt? Wenn ich zu Hause auch nur den Kopf auf den Tisch lege, dann wird schon geschimpft und ab heute darf ich auf den Tisch springen? Jipppiii, das wird toll, wenn ich demnächst zu Hause auf den Küchentisch springen darf. Dann komme ich ja viel besser an all die leckeren Sachen dran, die da drauf stehen!
Sabine ahnte wohl meine Gedanken und sagte: "Champ, nicht dass Du auf krumme Gedanken kommst, auf den Tisch darfst Du nur hier springen"! "Mein Gott", dachte ich, wieso errät die immer meine Gedanken?
Dann wurde ich endlich aufgerufen. Da ich ja Neuling war, wurde mir die Leine angelegt (alle anderen Hunde durften ohne Leine diese Übungen machen). Jetzt kam die Trainerin und legte mir auch eine Leine um. Was soll das denn, dachte ich, zwei Hundeleinen am Halsband? Das kann nichts Gutes bedeuten!!! Und so war es auch.
Ich wurde zuerst zu dem meterhohen (!) Steg geführt. Ich sollte da hoch gehen und auf der anderen Seite wieder hinunter. Auweia, war das hoch!! Hatte ich schon erwähnt, dass ich Höhenangst habe? Panik stand auf meiner Stirn, wollte mir jedoch vor den anderen Hunden keine Blöße geben. Die saßen nämlich gespannt in Reih und Glied und schauten mir zu. Einer meint: "He, jetzt kommt unser Streber an die Reihe. Mal sehen, ob er gleich auch noch so eingebildet ist!"
Mir zitterten vor Angst die Beine. Langsam ging ich auf den Steg, doch ich hatte panische Angst, herunterzufallen. Ich sträubte mich und wollte nur noch runter aber die Trainerin und Sabine hielten mich so fest, dass ich keine Chance hatte, mich rückwärts zu bewegen. Sie redeten sanft auf mich ein: "Komm Champ, keine Angst, das schaffst Du schon, bald bist Du oben, braver Hund", usw.! Man, die sollten doch die Klappe halten! Mit dem Gequatsche machten die mich noch verrückter, als ich eh schon war. Sabine hielt mir dann ein Stück Fleischwurst vor der Nase, die ich unter anderen Umständen sofort gegessen hätte. So was Leckeres bekomme ich sonst nie! Jetzt dachte ich nur: "Steck die blöde Wurst weg, ich kann nie mehr was essen, habe zur Zeit andere Sorgen. Ich will sofort hier r u n t e r ! Hilfe, warum hilft mir denn keiner?" Keine Chance, ich musste jetzt da durch und ging ganz langsam Pfote für Pfote vorwärts. Geschafft!!!
Unten angekommen, bekam ich meine Belohnung, die ich jedoch immer noch nicht wollte. Meine Nerven lagen blank! Ich war fix und fertig! Dachte ja, dass ich hier spielen und mit den anderen Hunden toben kann, aber das ich hier eine Zirkus reife Nummer hinlegen muss, das wäre mir im Traum nicht eingefallen.
Dann ging es weiter, Sprünge über die Hürden (einfach), Sprung durch den Reifen (noch einfacher), kriechen durch einen langen Tunnel (okay, vor der Dunkelheit hatte ich ein wenig Angst, hat aber auch geklappt), Sprung auf den Tisch (!) (das war natürlich DAS Highlight, da ich das ja zu Hause niemals machen darf)! Der Gang über eine Wippe war auch nicht ganz so easy, man, hat die gewackelt und als sie auf der anderen Seite runter kippte, bin ich fast von der Wippe gefallen. Es kam jedoch noch schlimmer:
Bevor wir mit dem ganzen Agility-Quatsch angefangen haben, sagte die Trainerin zu Sabine: "Die Steilwand lassen wir aus, da Champ dafür noch zu jung ist und wir seine Knochen schonen wollen!" Super, dachte ich, dann brauche ich mich da ja nicht zu blamieren. Mit einem Mal war aber alles anders, wieso, weiß ich nicht. Jetzt sagte die Trainerin: "Wir lassen Champ die Steilwand hochgehen"! Ach du Schei…. dachte ich, das auch noch! Panik stand mir in den Augen. Es wurden wieder zwei Leinen an mein Halsband befestigt und dann ging es Richtung Steilwand. Man, war die hoch und da sollte ich rauf gehen und auf der anderen Seite wieder runter? Niemals!!! Nicht mit mir dachte ich, jetzt reicht es aber und setzte mich auf den Boden, legte eine Pfote vor meine Augen, was bedeutet: Ich habe jetzt meine Migräne!!!!
Natürlich wurde darauf nicht eingegangen. Langsam wurde ich an die Steilwand herangeführt. Und wie ein Wunder: Meine Beinchen liefen die Wand hoch und auf der anderen Seite wieder herunter. Klasse, dachte ich, dass war gar nicht so schlimm und ich hatte jetzt die ganzen Hindernisse überstanden. Ich war fix und foxy und Sabine auch, denn die musste ja immer mitlaufen. Geschieht ihr auch recht, warum meldet die mich auch bei so einem Zirkus an?
Ich trabte an den anderen Hunden vorbei, schaute sie an und meinte: "Na, ward Ihr beim ersten Mal auch so gut, wie ich"? Einer meinte: "Was heißt hier gut, Du hattest doch die Hosen gestrichen voll und hast gezittert wie Espenlaub. Das nennst Du gut?" Ich antwortet: "He, Junge, bleib ruhig, das war doch nur Show, sonst wäre es doch für Euch zu langweilig hier oder?" Bis dahin dachte ich ja, dass ich für diesen Abend genug gearbeitet hätte und nicht mehr dran komme. Dreimal musste ich an diesem Abend die Hindernisse überwinden und ich sage Euch, ich wurde immer besser. Der Steg war für mich kein großes Hindernis mehr, ich rannte wie der Teufel auf den Steg und wieder hinunter! Ich war stolz wie Oskar und trabte
wieder erhobenen Hauptes an die anderen Hunde vorbei. Jetzt waren sie platt und sagten kein Wort mehr! Meine Achtung stieg bei ihnen und eine Hündin, zwinkerte mir zu, als ob sie sagen wollte: "Champ, Du bist der Größte und Tollste!" Natürlich bin ich das! Der Name "Champ" bürgt eben für Qualität und Tapferkeit!!
Ich melde mich wieder bei Euch, wenn ich zum Formel 1 Rennen angemeldet werde. Denn bei meiner Sabine weiß man nie, auf welche Gedanken die noch kommen wird!
Bis dahin grüßt Euch, wie immer,
Euer "tapferer" König "Champ"
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